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Wilhelm Byk


Wilhem Byk wurde am 23. Dezember 1920 in Wien geboren.

Der Bericht, den wir hier wiedergeben, wurde am 11. Februar 1945 in Lourdes auf Französisch verfasst. Der Autor ist Österreicher und sein Text weist viele Fehler und teilweise auch Unklarheiten auf. Das französische Original hat diese Fehler bewusst beibehalten. Die deutsche Übersetzung versucht, zumindest die grammatikalischen Mängel auszugleichen.



Im Februar 1939 habe ich illegal Österreich verlassen. Als Jude habe ich Zuflucht in Belgien gesucht.

Als ich in Brüssel ankam, dachte ich, ich wäre von der Tyrannei des Nationalsozialismus gerettet. Am 10. Mai 1940 - Tag des deutschen Angriffs gegen Belgien - wurde ich nach Frankreich evakuiert.
Sobald ich in Frankreich ankam, wurde ich auf einige Tage ins Lager von La Folga eingeliefert und dann wurde ich ins Lager von St Cyprien in der Nähe von Perpignan transferiert. Wenn ich auch Jude war, so hatte ich doch die österreichische Staatsbürgerschaft und wurde daher als Österreicher anerkannt.

wilhelmbykDas Leben in St Cyprien war sehr primitiv.

Dann kam der unglückliche Tag des Waffenstillstands. Alle Deutschen wurden freigelassen. Aber wir – die Juden – sind in den Lagern geblieben. Unsere Haft fing erst an.
Die Vichy-Regierung behandelte uns nämlich als wahre Gefangene: Sonderwärter wurden geschickt, um uns zu bewachen.
Die Hitze war groß und die Nahrung schlecht. Wir hatten kein Bett zur Verfügung. Lange haben wir am Boden auf einem bisschen Stroh geschlafen


Die Menge an Ungeziefer war erschreckend. Typhus und Malaria wurden zu alltäglichen Krankheiten.
Tausende meiner Mitgefangenen sind an diesen schrecklichen Epidemien gestorben. Vor allem neigten junge Menschen dazu, an diesen tödlichen Krankheiten zu leiden.
Im Juli 1940 waren wir an die 7000 Juden im Lager von St Cyprien. Die Überlebenden unter diesen 7000 wurden in Viehwagen in die Lager von Gurs und Argelès transferiert

Als ich in Gurs ankam, traf ich auch viele andere Unglückliche. Eine zeitlang war ich mit meinen Brüdern und meinem Vater zusammen.
Als ich dachte, meine Leiden wären zu Ende, hatte ich mich getäuscht. Diese Leiden, diese Entbehrungen sind immer härter und härter geworden

Auf der einen Seite gab es beißende Kälte, auf der anderen Seite war der Hunger immer noch unerträglich. Jeden Tag Tote: vor Hunger, vor Kälte. Einen Tag war der eine dran, am Tag danach der andere. Wenn man die zahlreichen Beerdigungen sah, fragte man sich, vor Unglück und Elend verzweifelt: „Bin ich der nächste, der dran sein wird?“

Tausende Juden sind allein in Gurs an der Internierung gestorben. Es war unmöglich, diesen Leiden zu widerstehen. In der Früh: ein Viertel Kaffee. Um 11: die Ration von genau 250 gr Brot. Zum Essen gab es fast immer das Gleiche: eine Suppe aus Wasser und Kohl- oder Kürbisblättern. Zu Mittag gab es auch Topinambur. Am Abend bekam man das gleiche wie zu Mittag. Es gab eine kleine Kantine und es war ab und zu möglich, Datteln oder Feigen zu kaufen, dafür brauchte man aber Geld.


Keine Beschwerde der Internierten wurde von den Blockleitern akzeptiert. Jeder Vorschlag war vergeblich. Die Blocks waren alle voll. Viele der Internierten haben bleibende Schäden davongetragen. Die Angst zu verhungern hat schwere psychische Folgen bei all diesen Unglücklichen gehabt.
Eines Tages spricht sich eine gute Nachricht im Lager herum: Wir dürfen von Gurs weg. Ein paar Tage danach wurde tatsächlich ein Transport mit einigen Hundert Menschen gebildet, auf dass sie ins Zentrum von Récébedou geschickt werden.

Als ich von Gurs wegfuhr, war ich überzeugt, die Internierung überlebt zu haben. Uns wurde erzählt, ein Aufnahmezentrum wäre in Récébedou einrichtet worden. Tatsache war, dass es in Récébedou keine Baracken gab. Aber ansonsten war das Elend im Lager doch dasselbe. Eine Hauptküche kochte für mehr als tausend Leute, für das niedere Volk. Die spezielle Küche, die sogenannte „Messe“, war den Wärtern vorbehalten. Ein großer Teil dessen, was dem niedere Volk zugekommen wäre, wurde von dieser speziellen Küche benützt.

Während die Internierten verhungerten, ließen sich die Wärter Pommes Frites servieren. Sie hatten alles im Überfluss, denn sie nahmen unsere Rationen.

Befehle wie „Absolutes Verbot etwas von den Gartenhauen abzukratzen!“ waren typisch.

Der Hunger trieb viele Gefangene dazu, Karotten- und sogar Kartoffelabfälle zu essen, die sie mit Gartenhauen aufgesammelt hatten. Für ein Stück Brot musste man eine Unmenge Geld ausgeben. Dafür verkaufte man alles: Anzüge, Schuhe.


Trotz allem verlangte die Lagerverwaltung eine militärische Disziplin. Diejenigen, die sich nicht daran halten konnten, wurden mitleidslos in den bekannten Stacheldraht getrieben.


Dann kommt der August 1942. Es gibt noch Überlebende. Was für ein Wunder! Männer und Frauen werden in den Stacheldrahtzaun gesammelt. Ihnen wird über ihre Zukunft nichts gesagt.

Sonderwärter organisieren den Transport. Sie werden wie Vieh gezählt und in Viehwagen eingeschlossen.

Das ist die Todesreise, der härteste Weg. Ich hatte das Glück, dem dank dem Eingreifen eines Blockleiters zu entkommen. Ich arbeitete für ihn als Dolmetscher. . Mein Vater wurde auch gerettet

Mein Bruder befand sich zu dieser Zeit im Internierungslager von Les Milles und wurde deportiert. Meine Mutter, die in Brüssel war, auch.


Von den Tausenden Mithäftlingen sind ein paar Hundert Greise übriggeblieben. Aber für diese alten Menschen war das Lager von Récébedou anscheinend noch zu gut. Extra für sie wurde ein anderes Lager reserviert: Nexon, ein überwachtes Aufenthaltszentrum. Diese alten Menschen (zwischen 60 und 80) wurden wieder in Baracken geworfen.


Die gleiche Prozedur beginnt von vorne: Die Zahl der Opfer von Hunger und Kälte ist extrem hoch, aber es bleiben immer noch Überlebende übrig. Dann kommt eine französische Sonderkommission. Die Gruppe wird gesiebt. Es werden noch hundert transportfähige Menschen gefunden – es wäre schade, sie da zu lassen –, so werden sie deportiert. Was noch übrig bleibt, wird in Zentren gebracht: nach Masseube, Villemur, Septfond etc.


So ist es: man hat ein großes Passagierschiff, das versenkt wurde, aber es werden immer noch Überlebende gezählt. Ich hatte das Glück, mit meinem Vater nach Masseube gehen zu dürfen, das am Anfang auch ein Konzentrationslager war. 200 Alte wurden von 40 Wärtern bewacht. Nach 6 Monaten Aufenthalt in Masseube wurde ich in der Nacht vom 9. zum 10. September 1943 festgenommen und nach Noé gebracht, um in die Organisation „Todt“ inkorporiert zu werden.


Einige Stunden vor der Abfahrt wurde ich zufällig in einen freien Block verlegt, so blieb mir der Transport erspart. In Noé habe ich nur alte Leute getroffen. Sogar diese alten Leute wurden nach Vernet für die Deportation gebracht. Alte Leute, Frauen, Kinder gingen demselben Schicksal entgegen. Ich kann mich an Frau Altmann und an ihre fünf Kinder erinnern. Ihr Mann war in Noé gestorben. Mit ihren Kindern wurde ihr die Deportation nicht erspart.

Mir ist es gelungen, nach Masseube zurückgeschickt zu werden. Da dachte ich, ich hätte alles überstanden. Am 10. Januar 1944 wurde am Abend das Zentrum in Masseube beschossen. Schwerverletzte – z.B: Frau Emma Goldschmidt, Frau Ida Mann, Frau Régine Steiner - mussten ins Krankenhaus in Auch eingeliefert werden.
Der Arzt sagte, Frau Mann sei unrettbar verloren und Frau Goldschmidt müsse ein Bein amputiert werden. Frau Goldschmidt, 73, Mutter, hat tatsächlich ein Bein verloren. Frau Mann ist am Leben geblieben, ist aber schwer leidend. Die Vichy-Zeitung berichtete am Tag danach, dass ein englisches Flugzeug das Zentrum beschossen hätte. Aus offiziellen Quellen haben wir erfahren, dass dieses englische Flugzeug ein deutsches Flugzeug war, das die Lichter des Zentrums zum Vorwand für den Beschuss genommen hatte. Frau Goldschmidt, Ida Mann, Régine Steiner sind die lebenen Zeugen dieser Grausamkeit. Sie befinden sich im Moment im Zentrum in Masseube im Département Gers.


Einige Monate nach dieser Schiesserei kommen zwei deutsche Offiziere ins Zentrum. Sie wollen die Liste der Juden sehen. Insgesamt 170 Personen. Der Direktor erklärt uns, wir müssen uns für die Deportation vorbereiten.

Zum Glück wurde das Département Gers und Frankreich in letzter Minute von den tapferen Maquisarden und den alliierten Armeen befreit. Die deutschen Henker wurden aus dem Land gejagt. Dank dieser historischen Tatsache haben wir, die Überlebenden von St Cyprien, Gurs, Nexon, Récébedou, Noé, das Glück gehabt, ein freies Frankreich zu sehen. Wir bedanken uns von ganzem Herzen

In seinem Bericht benützt Wilhelm Byk 1945 das Wort „evakuiert“, um die Festnahmen und die Deportation des 10. Mai 1940 zu beschreiben. Zum 10. Mai 1940 siehe die Rubrik „Geschichte“.

Le Fauga

Wilhelm Byk wird wie sein Vater und sein Bruder als Ex-Österreicher auf den Listen von St Cyprien vermerkt.

Auszug aus der Liste der Internierten von St Cyprien.



Byk Chaim


Am 29.4.1898 in Preskorow geboren
Wohnsitz vor dem Krieg: Brüssel
Staatsbürgerschaft: Ex-Österreicher
Religion :Jude
Kommentare:
- Le Fauga, Mazeres, Bordeaux


 

Byk Louis


Am 19.04.1913 in Cernauti geboren
Wohnsitz vor dem Krieg: Brüssel
Staatsbürgerschaft: Ex-Österreicher
Religion:Jude
Kommentare:
- Le Fauga, Mazeres

- Nach Gurs transferiert.
- Ankunft im Lager des Milles am 11.03.1941
-Transfer von les Milles nach Drancy am 11.08.1942
- Aus Drancy am 14.08.1942 deportiert


 

Byk Wilhelm


Am 23.12.1920 in Wien geboren
Wohnsitz vor dem Krieg:Brüssel
Staatsbürgerschaft:Ex-Österreicher
Religion:Jude
Kommentare:
- Le Fauga, Mazeres, Bordeaux



Es ist nicht möglich, die Archive des Krankenhauses von Perpignan einzusehen, doch das Wort „Tausende“ scheint übertrieben zu sein

Quelle der Berichts: CDJC-Mémorial de la Shoah CCXVI-47



Louis Byk wurde mit dem Transport 19 aus Drancy deportiert