Quantcast Wilhelm Linder
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Wilhelm

Wilhelm Linder wird 1919 in Wien geboren. Er ist das dritte Kind von Jabob und Maria.

Über seine Kindheit und sein Leben als junger Mann vor 1938 wissen wir gar nichts, denn sein Bruder Bertold hielt es nicht für nötig, in seiner autobiografischen Erzählung etwas über ihn aus der Zeit zu erwähnen, bevor sie nach Belgien geflohen sind.

Als Wilhelm seinem Bruder auf der Flucht folgt, ist er kaum 19. Nach den belgischen Unterlagen soll er vor dem Krieg Elektriker gewesen sein.

Im Schatten


Seine Route von Wien bis Drancy ist dieselbe wie die seines Bruders. Zusammen werden sie nach den Festnahmen des 10. Mai 1940 in Belgien ins Lager von St Cyprien deportiert. Immer zusammen werden die Brüder Linder einer Gefahr nach der anderen entfliehen: Von Salleles d’Aude, wo sie Rosalie Eilander, die Lebensgefährtin Wilhems (wahrscheinlich seit dem Aufenthalt in Brüssel), wieder finden bis zum italienischen Lager von Borgo San Dalmazzo.


Als Bertlod Linder Gisaela Spira im Januar 1942 heiratet, heiratet Wihlem Rosalie. Sie haben schon einen einjährigen Sohn: Raymond wurde in Narbonne geboren.
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In Brüssel wie in St Martin Vésubie soll Wilhelm immer an den Aktivitäten seines Bruders teilgenommen haben. Wie dieser meldelt er sich bei den belgischen Behörden als politischer Flüchtling, nachdem er versucht hat, Schutz von dem Hiflsfonds Matteotti in Brüssel zu bekommen. Wie Bertold ist auch er Musiker. Zusammen spielen sie Mandoline für die Jugendlichen in St Martin Vésubie.

Nach den Unterlagen, die wir kennen, sowie gemäß der Autobiographie seines Bruders, scheint es, dass Wihelm während diesen Exil- und Internierungsjahren im Schatten seines Bruders gelebt hat. Wir können es nicht mit Sicherheit behaupten, doch lässt die Tatsache, dass Bertold, derjenige ist, der eine Autobiographie geschrieben hat, und der in Auschwitz in der Internierungszeit Kapo geworden ist, darauf schließen, dass Wilhelm seinen Bruder nur folgte.




Als der eine erklärt, Mitglied der sozialistischen Jugend zu sein, macht der Andere dasselbe. Gleitzeitig fühlen sie die gleichen Formulare aus. Die ganze Zeit leben sie unter einem Dach.

Wir können jedoch feststellen, dass Wilhelm nicht die gleichen Perversionen wie sein Bruder an den Tag gelegt hat. Ab ihrer Ankunft in Auschwitz sowie in der unmittelbaren Nachkriegszeit sind die Unterschiede zwischen ihnen deutlich zu erkennen.


Wir wissen, dass Wilhelm dem Kommando 178 des Blocks 30 in Monowitz angehörte, und dass er unter dem Befehl seines Bruders stand. Wir wissen auch, dass sie gemeinsam befreit und nach Belgien gebracht werden und dass sie die gleichen Entschädigungsanträge in Belgien ausfüllen. Aber die Gemeinsamkeiten ihrer KZ-Erfahrungen gehen nicht weiter darüber hinaus.

Laut den Zeugenaussagen ehemaliger Mithäftlinge, die nach der Befreiung die Brutalität Bertold denunziert haben, soll Wilhelm auf keinen Fall vergleichbar gehandelt haben. Es wurde sogar gesagt, dass Wilhelm selbst unter der Gewalt seines Bruders während der Internierung in Auschwitz gelitten hätte.

Wilhelm wird oft als guter Mitmensch mit einer tadellosen Moral beschrieben, der immer bereit war einem Mithäftling zu helfen.


Die Dorot-Forscher haben keinen Grund, diese Aussagen über Wilhelms Persönlichkeit während seiner KZ-Zeit in Auschwitz anzuzweifeln. Zahlreiche Unterlagen der Nachkriegszeit, als Wilhelm nach Belgien repatriiert wird, geben jedoch Anlass zu denken, dass Wilhelms Moral in Auschwitz verblieben ist.

Der Spaßvogel


Als er nach Brüssel zurückkehrt, behauptet er, dass er von der Gestapo in Belgien im Jahre 1941 auf Grund von Widerstandsaktivitäten festgenommen worden sei und dass er von Frankreich zurückgekommen sei, um Flugblätter zu verteilen, nachdem er aus dem Lager von St Cyprien geflohen sei. In jeder Etappe seines Exils ist jedoch seine Spur in Südfrankreich, in Borgo San Damlazzo, im Lager von Drancy sowie auf den Deportationslisten aus Frankreich zu finden.

Trotz der ersten Aussagen der Nationalen Front Österreichs im Jahr 1945, die die Widerstandsaktivitäten Wilhelms bestätigen, widerlegt eine interne Enquete diese Behauptung.

Dori Meiselman, die damalige Sekretärin der NFÖ, bestätigt in einem Brief an das Ministerium für den Wiederaufbau folgendes: „Nach einer Enquete müssen wir bedauerlicherweise feststellen, dass die Brüder Linder uns missbraucht haben, und dass sie nie Widerstandsaktivitäten geleistet haben.


Im März 1947 heiratet Wilhelm Maria Rocek. Drei Monate später bekommt das Ehepaar einen Jungen. Sie nennen ihn nach dem Neffen, der in Auschwitz gestorben ist, Raymond.

Im 1950 werden sie einen zweiten Sohn bekommen, Roland; auch er nach dem in Auschwitz gestorbenen Neffen genannt.

Laut einem Bericht der Polizei von Woluwe St Lambert aus dem Jahr 1951 soll Wilhelm nicht nur am Widerstand teilgenommen haben, sondern auch der österreichischen Légion étrangère in Frankreich angehört haben. Außerdem sei er ein Verbindungsagent zwischen dem FFI (Abkürzung für den französischen Widerdstand: Forces Francaise de l’Intérieur) und der belgischen Partisanenarmee gewesen. Ebenso sei er nach diesem Bericht im Februar 1942 in Anderlecht festgenommen worden. Ein anderer Bericht der Polizei von Anderlecht bestätigt jedoch, dass Wilhelm im August 1951 in Brüssel festgenommen worden sei. Laut einer Aussage von Wilhelm Linder selbst vom August 1951, sei er seit November 1942 inhaftiert gewesen.

Laut den Zeugenaussagen von Ludwig Gunser und Benedikt Kautsky wurde Wilhelm Linder zu Unrecht mit seinem Bruder verglichen. Dabei hatte er mit den Untaten seines Bruders nie wirklich etwas zu tun gehabt. Es ist jedoch für die eindeutige Klärung dieser Frage problematisch, dass die einzige Zeugin von Wilhelms Widerstandsaktivitäten Rosa Rocek war. Sie behauptet, dass sie während des Krieges in direktem Kontakt mit Wilhelm gestanden hätte, um Bruno Weingast zu ersetzen, der 1942 von den Deutschen erschossen wurde.

Bei der Befreiung wurde Maria Rocek festgenommen und wegen geheimen Verbindungen zum Feind angeklagt.

Im Jahr 1951 wird Wilhelm wegen ungewolltem Mord vom Gericht von Nivelle verurteilt. Er war damals bereits wegen Verstoßes gegen die Verkehrsregeln angeklagt. Bei dieser Gelegenheit behauptet er, dass er im November 1942 in Belgien angekommen sei.

1952 urteilt der Berufungsausschuss für die politischen Gefangenen, dass die zahlreichen widersprüchlichen Zeugenaussagen es nicht erlauben, Wihlelm Linder den Status eines politischen Widerstands-Gefangenen zuzuschreiben.

Das hindert Maria Rocek jedoch nicht daran, im Jahr 1954 eine weitere Aussage zu machen. Dieses Mal erklärt sie, dass sie nie in direktem Kontakt mit Wihlelm während des Kriegs gestanden sei. Sie behauptet auch, dass die Aktivitäten ihres Ehemannes im NFÖ im Jahre 1941 begonnen hätten. Diese Aussage steht im Widerspruch zu der von Ludwig Gunser, der bestätigte, dass Wilhelm vor 1946 keinen Kontakt zum NFÖ hatte.

In einer Sonderaudienz des Ministeriums für Wiederaufbau im Jahre 1954 wird bestätigt, dass Wilhelm Linder den Status eines politischen Gefangenen nicht bekommen kann.


Wilhelm Linder wird seine Frau und seine Kinder im Jahre 1959 verlassen und in die USA emigrieren. 1964 kommt er für ein Jahr zurück nach Belgien, wo er erneut verurteilt wird wegen Unterschlagung gepfändeter Objekte. Es ist die elfte Verurteilung in seinem Strafregister in Belgien.

Später fliegt er nach Michigan zurück, wo er 1978 sterben wird.


Wilhelm Linder


Foto


Geburtsdatum: 27. September 1919

Geburtsort: Wien, Österreich

Adresse vor 1938: Hannovergasse 13, Wien 20

Exilstrecke: Brüssel - St Cyprien - Salleles d'Aude -Lamalou les Bains - St Martin Vésubie - Borgo San Dalmazzo -Nice - Drancy

Status bei der Befreiung: Überlebender


Am 13. Januar 1978 in USA gestorben.





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In der Mitte des Photos, Willy mit 16 Jahren.
fna