Quantcast Von Montluc nach Mauthausen
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Montluc - Mauthausen

Marcigny, am 20. Juli 1945.

 

Les Terreaux - Montluc

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Ich werde am 22. Juli 1943 festgenommen und in die Zentrale der Gestapo von Lyon geführt. Nach dem Identitätsverhör werde ich in den Keller geführt, in dem schon vierzig Leute sind. Wir haben Sprechverbot. Am Boden, in einer Ecke, sitzt ein Mann mit blutverschmierten Kopf. Ein Hund bewacht ihn. Wenn der Mann sich bewegt, beißt ihn der Hund. Der Hund ist der Schrecken der Langzeit-Gefangenen. Er wird für die Verhöre benützt.

Um 20 Uhr legt uns ein SS-Mann jeweils zu zweit Handschellen an. Dann werden wir in einen Lieferwagen geladen, der uns ins Fort Montluc führt.
Der Aufseher führt mich in eine Holzbaracke, in der schon ca. hundert Leute – unter ihnen zwanzig Frauen – sind. Wir sind durch einen Vorhang aus Decken von ihnen getrennt. Wir schlafen alle auf Strohsäcken. Je nachdem, wie viele Gefangene kommen und gehen, schlafen wir bis zu fünft auf zwei Strohsäcken. Es ist sehr heiß in dieser Baracke. In der Nacht werden wir von den Wanzen gebissen. Es gibt so viele davon, dass es uns oft so vorkommt, als würde es Wanze regnen.

Obwohl wir durch Hunger geschwächt sind und uns tagsüber nicht hinzulegen dürfen, fürchten wir jeden Tag den Einbruch der Nacht.

Unter uns gibt es mehrere Ärzte, aber keine Medikamente. Ein Kamerad hat eine akute Bilddarmentzündung. Der Kommandant des Gefängnisses kommt. Er verspricht, den Kranken zu evakuieren. Niemand kommt. Zum Glück verläuft der Anfall gut.


Anfang September kommt eine jüdische Familie mit einem dreijährigen Mädchen. Ein General kommt auf Inspektion und befiehlt, dass das Kind am selben Tag aus dem Gefängnis entlassen wird. Trotz des Befehls bleibt das Kind vier Wochen im Gefängnis. Schließlich fährt es mit seinen Eltern nach Drancy.
Jeden Morgen werden ca. zehn Gefangene zum Verhör gerufen. Im Allgemeinen kommen sie in einem jämmerlichen Zustand zurück. Den ganzen Tag sprechen alle nur über Festessen, Küche und Orte, wo gut gegessen wird. Jeder leidet an Hunger.
In der Früh, Kaffee. Zu Mittag, Staudenselleriesuppe mit ein bisschen Graupen und am Abend 300 g Brot mit 20 g Butter oder einem Löffel Marmelade.
Unsere schmutzige Wäsche ist von Wanzenblut befleckt. Keine Seife. Nach 90 Tagen bekomme ich das erste Wäschepaket und ein Stück Seife.
Am 28. Oktober 1943 gehöre ich einem Transport an, der nach Compiègne fährt. Mit uns fährt auch Professor A. Heilbronner, der 60 Tage ohne sich zu rasieren in der Zelle geblieben ist, in der es die meisten Wanzen gibt. Er ist übersäht mit entzündeten Abszessen von Wanzenstichen.
Ich habe die Gelegenheit mich zu wiegen. Ich stelle fest, dass ich nun nur noch 64kg wiege. Vor 98 Tagen wog ich 78kg.

Compiègne - Mauthausen




In Compiègne, wo ich vom 29. Oktober 1943 bis 22. März 1944 bleiben sollte, waren wir nicht unglücklich. Dies hatten wir den Paketen zu verdanken, die wir von unseren Angehörigen bekamen, sowie dem Briefwechsel, den wir zweimal pro Monat mit unseren Verwandten führen durften. Außerdem litten wir nicht an Hygienemangel wie in Montluc.

Am 22. März 1944 gehöre ich einem Transport an, der nach Mauthausen in der Nähe von Linz fährt. Man lädt uns in Gruppen zu je hundert in einen Waggon. Die Waggons werden fast gänzlich geschlossen. Schnell steigt die Temperatur und nach 30 Minuten wird der Sauerstoffmangel spürbar. Als es Nacht wird, versuchen wir, unseren Waggon zu öffnen, und wir schaffen es, eine Tür zu öffnen. Leider war es ebenso in anderen Waggons. Da Männer aus einem Waggon gesprungen sind, hält der Zug für eine Kontrolle. Die SS zwingen die Männer von 4 Waggons sich auszuziehen, um je 200 in einen Waggon zu laden. Sie exekutieren sechs Männer zur Abschreckung und schießen durch die Wände einiger anderer Waggons. Da kein intakter Waggon übrig bleibt, können sie uns nicht mehr in den anderen Waggons unterbringen.. Sie blockieren die Türen mit Stacheldraht. An der deutschen Grenze zwingt man uns, uns auszuziehen . Wir haben nur noch unsere Unterhosen an.

Nach 48-stündiger Reise kommen wir in Regensburg an, wo man uns erstmals versorgt: : mit einem halben Liter Kaffee. Aber nur für 400. Wir sind 1500. Am Boden 20cm Schnee. Er regnet. Immer noch in Unterhose müssen wir 200 Meter bis zur Schank gehen. Dies durch ein Spalier von SS-Männern, die uns die Rippen im Vorbeigehen mit ihren Gewehrkolben streicheln. Wir müssen laufen und verschütten alle mehr als die Hälfte dieser kostbaren Flüssigkeit. Wir haben keinen Hunger, aber entsetzlichen Durst. Wir liegen auf dem Boden aufeinander. Es gibt viele, die die Nerven verlieren. Bei der Ankunft haben drei unserer Kameraden den Verstand verloren und werden von den SS erschossen. Die Fahrt hatte 70 Stunden gedauert.

Nachdem man unsere Waggons eine ganze Nacht im Bahnhof von Mauthausen stehen ließ, lässt man uns schließlich um 6 Uhr früh aussteigen. Es ist noch dunkel. Unsere Kleidung ist in einem großen Behälter im Schnee. Jeder kann einige Lumpen nehmen, wenn er an dem Behälter vorbeigeht, aber man muss schnell sein, denn die SS schlagen uns ständig. Einem starken Wind ausgesetzt warten bis zum Abend und bekommen immer noch nichts zu essen oder zu trinken. Dann gehen wir zu den Duschen und werden von Kopf bis Fuß rasiert, nachdem uns unsere Uhren und Ringe gestohlen wurden.

Da wir den ganzen Tag Schnee gegessen haben, sind wir sehr durstig und denken jetzt nur noch daran, heißes Wasser zu trinken und eine Dusche zu nehmen. Nachdem uns alles weggenommen wurde, dürfen wir nur unsere Hosengürtel behalten. Jeder erhält ein Hemd und eine neue Unterhose und man führt uns zu den Quarantäneblöcken.

Mauthausen befindet sich in einer Höhe von 800 Metern. Das ganze Jahr über weht ein eisiger Wind. Zu 500 pro Block zusammengepfercht, verbringen wir dort drei schreckliche Wochen. Wir liegen wie die Sardinen auf Strohsäcken am Boden, einer hat den Kopf oben, der andere unten. Es ist so gedrängt, dass man, wenn man in der Nacht aufsteht, oft die Nacht stehend oder auf dem Beton des Duschraums liegend verbringen muss, weil sich die Lücke sofort schließt.

Der Tag ist nicht weniger schrecklich als unsere Nächte. Um die Blöcke nicht zu beschmutzen, lässt uns der Blockaufseher die Tage im freien, dem Nordwind ausgesetzt, verbringen. Wir bleiben bis zu unserer Einteilung in Hemd und Unterhose. Um uns aufzuwärmen drücken wir uns aneinander wie die Schafe einer Herde bei Frostwetter.

Nach drei Wochen dieser Behandlung gibt es 175 Kranke und 55 Tote unter den 1500 Personen unseres Transports.

Am 15. April stattet man uns endlich aus. Ich gehöre zu einer Gruppe von 90 Franzosen, alle Metallarbeiter, die am selben Tag ins Lager von Linz gebracht werden. Bei unserer Ankunft in Mauthausen ließ ich mich als Metallarbeiter (Bohrer) und Arier eintragen. Dies und die Kenntnis der deutschen Sprache haben mir das Leben gerettet.


Unser neues Lager erscheint uns wie ein Paradies. Zehn Stunden Arbeit pro Tag. Ruhe am Sonntag, ein Bett pro Mann, ausreichende Nahrung und gute Behandlung. Wir arbeiten in der Stahlbau GMBH der Goering-Werke.
Leider wird unser Lager zu klein. Die Hermann-Goering-Werke fordern 6.000 Mann an. Der Kommandant von Mauthausen, Zieveis, beauftragt in Linz zwei Mörder mit der Schaffung eines neuen Lagers. Es handelt sich um die SS-Männer Kofler und Winckler, zwei ehemalige Kommandoleiter der Strafkompanie von Mauthausen. Anfang Juli wird unser Kommando in das als Linz III bezeichnete neue Lager überstellt. SS-Obersturmführer Schoeperle ist Lagerführer, Kofler Rapportführer und Winckler ist Arbeitsdiensführer.
Sie vertrauen die innere Leitung des Lagers fast nur deutschen Strafgefangenen und polnischen Deportierten an, die oft durch ihre Feigheit und ihre Unterwürfigkeit gegenüber der SS noch schlimmer sind.
Das Lager, ein ehemaliges Lager für italienische Kriegsgefangene, ist sehr schmutzig. Man hat es einfach mit einem mit 380 Volt geladenen Stacheldraht umgeben. Die sanitären Einrichtungen sind deutlich ungenügend.
Im allgemeinen ist nur eine von 4 12-sitzigen Latrinen geöffnet. Die Gruben sind immer voll, daher ist das Lager immer voll mit Exkrementen.

Nach kurzer Zeit bekommen wir alle die Läuse, u. zw. aufgrund der gewaschenen Wäsche, die uns Ende Juli anstelle jener, die wir am Leib tragen, gegeben wird. Es ist das erste und letzte Mal, dass in 10 Monaten die Wäsche gewechselt wird. Die ausreichende Verpflegung der drei ersten Monate wird später deutlich schlechter werden. So sehr, dass zahlreiche Deportierte an Hunger sterben werden.

Die Disziplin ist streng. Unser Blockaufseher, der später Lagerältester werden wird, ist ein polnischer politischer Gefangener, der in seinem früheren Leben Berufsoffizier war. Er kriecht vor den SS, und behandelt seine Mithäftlinge mit grenzloser Brutalität. Besonders die Franzosen. Unser tägliches Programm: Wecken 4h15 - Suppe 4h45 - Antreten 5h15 - Abmarsch vom Lager 5h45 - Arbeit von 6 h bis 12 h und von 12h30 bis 18 h. Suppe um 19 h. Läuse-Kontrolle und dann normalerweise um 20h30 ins Bett. Zwei pro Bett wegen des Platzmangels. Es ist unmöglich, sich gut auszuruhen, nachdem man gearbeitet hat und 15 Stunden auf den Beinen war.

Am 25. Juli erleben wir den ersten Luftangriff mit 800 Flugzeugen. Unser Schutzgraben befindet sich 20 Meter weit von der Stahlbau entfernt. Ein Graben, der von einer 80mm dicken Betonplatte bedeckt ist. In einem Umkreis von 20 Metern um unseren Graben schlagen 12 500-kg-Bomben ein. Wir zählen nur 18 Tote. In Linz I: 138. Linz III : 42. Bis Ende November werden die 6.000 Männer zu Aufräumungsarbeiten eingesetzt. Die SS überwachen die Arbeiten und knüppeln uns ständig nieder.

Im Oktober fangen die Alarme und Bombenangriffe wieder an. Sobald es Alarm gibt, müssen wir antreten. Unser Kommando besteht jetzt aus 300 Männern, und wir müssen warten, bis alle angetreten sind, um ins Lager zurückzukehren. Oft schießt die Flak bereits, solange wir noch in der Fabrik sind. Wir erleben insgesamt 27 Angriffe, und dazu fast täglich falsche Alarme. Das Rennen zum Lager, manchmal zwei- oder sogar dreimal pro Tag, ist für uns wegen unserer physischen Erschöpfung, verursacht durch Ermüdung durch Arbeit, Unterernährung und auch Fuß- und Beinverletzungen, äußerst anstrengend. Diese Verletzungen, die auf die Holzpantinen zurückzuführen sind, heilen nicht. Fast alle haben Ödeme an den Beinen, und die Verbände werden nur einmal pro Woche gewechselt.
Im Krankenrevier kümmert sich der Arzt, ein Pole, im allgemeinen nur um seine Landsleute. Ende Dezember kommt ein serbischer Arzt zu uns. Ihm ist es egal, was die SS von ihm halten. Die Anzahl der Patienten in Revier steigt trotz der Proteste des Lagerführers innerhalb von 4 Wochen von 200 auf 950.

Mit seinem Mut rettet dieser Arzt das Leben zahlreicher Gefangener dank der Ruhe, die die Patienten im Krankenrevier trotz des Mangels an Arzneimitteln und Verbandsmaterial finden. In einem Saal liegen die Patienten, die Phlegmone haben. Die Verbände werden nur einmal pro Woche gewechselt. Der Gestank ist so unerträglich, dass es mir unmöglich ist, diesen Raum zu betreten.

Januar: je kälter es wird, desto höher ist die tägliche Anzahl der Toten. Einige Kommandos müssen 6 km bis zum Arbeitsort gehen: Das heißt sie müssen 12 km jeden Tag gehen, egal, wie das Wetter ist, ob es scheint oder ob es regnet. Sie arbeiten oft im Freien, ohne die Möglichkeit zu haben, sich zu trocknen. Oft ohne Holzpantinen, die lumpige Kleidung und die Unterwäsche schimmeln am Körper. Wir sind von Läusen übersäht. Infolge der Bombardierungen bleiben wir manchmal 6 Wochen ohne Wasser, das heißt, ohne uns zu waschen. Das Wasser für die Küche stammt aus dem Kanal, der in der Nähe fließt. Die Pullover, die die Blockaufsehern bekommen, um sie an uns zu verteilen, werde mit Zivilisten gegen Schnaps eingetasucht.
Auf den Baustellen fordern die nationalsozialistischen Vorarbeiter immer mehr von uns. Infolge der Zerstörung zahlreicher Brückenkräne wird der Schrott auf den Rücken der Männer transportiert: Bleche von mehr als einer Tonne, Eisenbahnschienen usw. Es gibt zahlreiche Unfälle.

Anfang Februar flüchten 3 17- und 18-jährige junge Russen. Sie werden 8 Tage später gefasst. Während des Appells werden sie vor unseren Augen zum Galgen geführt. Vor ihnen marschiert das Lagerorchester und spielt „Alle Vöglein sind schon da“. Sie sind mutig gestorben.

In Mauthausen wurde ein Verurteilter gehenkt, obwohl das Seil im Laufe der Hinrichtung zweimal gerissen ist.

Von Juli bis Ende November sterben täglich durchschnittlich fünf Menschen.. Sobald es sehr kalt wird steigt die Zahl auf zwölf. Ein von den Hermann-Goering-Werken zur Verfügung gestellter Lastwagen fährt einmal pro Woche die Leichen ins Krematorium von Mauthausen.

Ende Februar leben in Linz III von den 6.000 Männern nur mehr 4.200: Ruhr, allgemeine Schwäche (Hunger), Tuberkulose, Ödeme, Phlegmone sind die Todesursachen.

Ende Februar werden unsere kargen Rationen noch weiter reduziert. Am Morgen ein halber Liter Suppe, 50 kg Mehl auf 2.000 Liter Wasser. Zu Mittag 300 Gramm Kleiebrot mit einer Scheibe Pferdewurst, am Abend dreiviertel Liter Suppe. Die Küche zählt 50 g Gemüse und 12 g Margarine - von dem mehr als die Hälfte gestohlen wurde- auf 3.000 Liter Wasser.
Im März und April sterben täglich durchschnittlich fünfzehn Menschen..
Vor dem russischen Vormarsch im März wird der Lagerführer sehr unruhig. Da er nicht allein weggehen kann, lässt er Vorkehrungen für die Evakuierung des Lagers treffen - zu Fuß nach Ebensee, 90 km von Linz entfernt.

 

Ebensee

 

Der SDG (Sanitätsdienstgehilfe) untersucht die Patienten im Krankenrevier. Jeder, der sich auf seinen Beinen halten kann, wird als geheilt betrachtet. Die bettlägerigen Patienten müssen ihren Oberkörper freimachen. Mit Tinte schreibt man ihnen ihre Matrikelnummer auf die Brust. Der SDG übergibt den Ärzten einen Benzinkanister mit dem Befehl, es den Patienten intravenös zu injizieren. Die Ärzte lehnen ab. Die SS sind unentschlossen. Schließlich verschiebt man das Vorhaben. Die Russen rücken vor. In der Stadt liest man auf den Mauern folgende Aufschrift: „Es wird gemordet im SS Lager III“.
30 Patienten starben vor Aufregung.
Alle abgewiesenen Patienten nehmen ihre Plätze im Krankenrevier wieder ein. Bei der Schlacht um Wien werden die jungen S.S. von zwei Kompanien, die uns bewachen, abgezogen. Sie werden durch alte Luftwaffenangehörige sowie durch Verbrecher des Lagers ersetzt.
Ein Arzt untersucht die Deutschen im Lager. 52 Strafgefangene und 8 politische Gefangene werden ausgewählt, um zur SS geschickt zu werden. 3 politische Gefangene lehnen ab; ihre Ablehnung wird akzeptiert. 70 polnische politische Gefangene melden sich als Freiwillige. Sie werden abgelehnt.
Im April, während die Russen 90 km entfernt sind, lehnt der Gauleiter die Evakuierung aus strategischen Gründen ab. Der Lagerführer ist völlig panisch. Er gibt den Befehl, alle Kranken 15 Minuten lang kalt zu duschen, damit sie eines natürlichen Todes sterben und begraben werden können. Wegen Koksmangels wird das Krematorium abgestellt. So würden lebende Zeugen von Misshandlungen verschwinden.
Die Aktion beginnt um 9 Uhr. Die Kranken, lebende Skelette, werden auf Handkarren geladen, um zu den Duschen gebracht zu werden. Um 10 Uhr 15 Alarm... und Bombenangriff. Die Wasserleitungen werden gekappt. Die Patienten werden nicht geduscht.
15 April: in den Kommandos ist die Leistung fast Null. Jeder, S.S., Zivilaufseher, hat begriffen: es ist das Ende des Alptraums.
Am 2. Mai um 10 Uhr erhalten wir plötzlich das Angebot, in das Lager zurückzukehren. Der Kommandoführer sagt uns, dass die Amerikaner wahrscheinlich da sind. Er erlaubt uns, im Vorbeigehen einen Kartoffellastwagen zu plündern.
Am 3. Mai gehöre ich einem Kommando an, das 38 von unseren Kameraden begraben wird, die im Krankenrevier gestorben sind. Man legt sie alle in den Trichter einer 500-kg-Bombe.
Wir bleiben bis zum 4. Mai im Lager. Um 6 Uhr früh erhalten wir den Befehl, uns auf die Evakuierung des Lagers vorzubereiten. Wir lehnen es ab, wegzugehen, da wir befürchten, unsere Wärter könnten etwas im Schilde führen. Wir fühlen, dass sie schwach werden und fühlen uns stark.
Erst nachdem eine Delegation aus Russen, Jugoslawen und Franzosen vom Rapportführer empfangen worden ist, der uns die gewünschten Garantien gibt, beginnen wir, das Lager zu verlassen.
Wir überqueren die Donau und um 14 Uhr erfahren wir von Zivilisten, dass die Stadt in den Händen der Amerikaner ist. Noch immer von unseren Wärtern begleitet kehren wir in das Lager zurück. Sie haben glücklicherweise Angst. Wir sind überzeugt, dass Ihnen nichts geschehen kann. Sie glauben, dass sie von den Amerikaner eingesetzt werden könnten, um Krieg zu führen...gegen die Russen...
Ein Kilometer vom Lager entfernt kommen uns etwa zehn unserer russischen und jugoslawischen Kameraden, die in der Küche geblieben waren, entgegen. Sie sind mit Maschinenpistolen bewaffnet, die sie aus der Waffenkammer der SS genommen haben. Sie hatten in Erwartung des Tages X seit drei Monaten die Schlüssel der Waffenkammer.
Schon nach den ersten Aufforderungen werfen die SS ihre Waffen weg und ergeben sich. 70 - die bösesten - von ihnen werden vor Ort erschossen. Die anderen, insgesamt 450, werden später bei ihrer Ankunft den Amerikanern übergeben
Die Lager-Verantwortlichen, der Lagerführer usw., werden ihnen ebenfalls übergeben, damit sie vor Gericht gestellt werden. Die Amerikaner werden sie sowie 60 der 450 SS-Männer ohne Verfahren exekutieren.
Im Lager findet die Rache statt. Die Kapos und Blockaufseher bezahlen für ihre Verbrechen mit ihrem Leben.




Marcigny, am 20. Juli 1945

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Sammlung Wyler

 

Max Marcel Wyler


Am 15. Juli 1914 in Olten im Kanton Argau in der Schweiz geboren.
Sohn von Rachel Geissman und Julius Wyler.
Er kommt mit seiner Mutter im Juni 1917 nach Frankreich.
Im Januar 1929 tritt er in die Firma Schwob et Cie in Moulin de Modenheim im Elsass ein.


Max Marcel Wyler arbeitet in einer Widerstandorganisation mit, die von den ehemaligen Eclaireurs Israélites Mulhousiens gegründet worden war. Er wird wegen Goldmünzenhandels vom 8. April bis 15. Mai 1943 in Lyon inhaftiert. Das Gold, das er in der Schweiz abgeholt haben dürfte, wurde wahrscheinlich benützt, um das Widerstandsnetz zu finanzieren, dem er in Lyon angehörte (Marco Polo, MRPGPD). Da er aus einer bescheidenen Familie stammt, ist es unwahrscheinlich, dass das Gold aus einem persönlichen Vermögen stammt..
Er überwachte die Mittel, die die SNCF (die französische Bahn) den Deutschen zur Verfügung stellte und war an der Erstellung falscher Dokumente beteiligt. Im Juli 1943 wird Marcel von der Gestapo bei einer Razzia gegen die Widerstandskämpfer Place des Terreaux in Lyon festgenommen. Nach einem langen Verhör durch die Gestapo im Untergeschoss der ehemaligen Militärsanitäterschule behauptet er, dass er in der Rue St Hélène 15 in Lyon wohnt, dabei teilt er eine Wohnung in der selben Strasse Nummer 13. Seine Aussage hat seinem Freund Sami Kahn ermöglicht zu flüchten. Die Gestapo fand nichts bei der Hausdurchsuchung. Marcel Wyler wird im Gefängnis von Montluc interniert und dann über Compiègne nach Mauthausen deportiert.
Marcel überlebt das Grauen der Lager. In Mauthausen wird er in einem Metallarbeiter-Kommando eingesetzt. Darüber schreibt er: „Dank Pichon (André Ullman) habe ich nicht im Steinbruch arbeiten müssen und war dann im Kontakt mit Emile Vallé, der später Sekretär der ehemaligen Häftlinge von Mauthausen wird. Dank Vallé und etwa hundert Metallarbeitern wurde sehr gute Sabotage in unserem Kommando geleistet.“
Am 4. Mai 1954 wurde er befreit und am 20. Mai nach Frankreich zurückgebracht. Er kehrt nach Marcigny zurück, wo er sofort seine Zeugenaussage verfasst.
Nach dem Krieg, als sein Arbeitgeber aus den USA zurückkommt, bekommt er seine Stelle wieder.


Im Juni 1949 heiratet Max Marcel Wyler Irène Dukase. Das Paar wohnt in Mulhouse, wo sie ihre drei Kinder großziehen.
Im März 1987 stirbt Irène
Im Februar 1992 stirbt Max Marcel Wyler nach langer Krankheit

 

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