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Siegmund




Von Berlin nach Brüssel


Siegmund Spira ist in Berlin im Jahre 1923 geboren. Er ist das dritte Kind und der erste Sohn von Herzel und Rosa. Wie seine Schwestern und sein Bruder besucht er die religiöse Schule von Adas Ysroel in Berlin.

08139Eine Klasse der Adas Ysroel-Schule in Berlin

Im Dezember 1938, einige Wochen nach der „Kristallnacht“, erhalten Siegmund und sein junger Bruder Félix eine Auswanderungsgenehmigung nach Belgien dank eines Kindertransports. Sie kommen in der Gegend von Brüssel am 31. Januar 1939 an.
Früher in diesem Monat gelingt es Herzel nach Belgien einzureisen. Am 4. Februar erhält Siegmund eine gültige Aufenthaltserlaubnis bis November 1939.
Er wird in ein Kinderheim geschickt, aber es gelingt ihm kurz danach, zu seiner Familie nach Brüssel zurückzukehren.
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Exil in Frankreich


Als der Krieg am 10. Mai 1940 ausbricht, fliehen Siegmund und seine Familie nach Frankreich. Sie werden aber schnell festgenommen, denn sie werden als „feindliche Ausländer“ betrachtet.
Sie werden dann in versiegelten Waggons in das Internierungslager von Bram im Département Aude geschickt. Sie kommen am 3. Juni 1940 an.

Siegmund und Herzel sind in Baracke 147, die für die Männer reserviert ist, während Félix, der erst elf ist, mit den Frauen in Baracke 135 untergebracht wird. Sie werden alle am 30. Juni, eine Woche nach dem Waffenstillstand, freigelassen.
Die französische Verwaltung weist ihnen dann als Zwangswohnsitz Salleles d’Aude zu. Siegmund (17 Jahre alt) und sein Vater werden zur Arbeit in einer GTE (groupe de travailleurs étrangers = Gruppe ausländischer Arbeiter) in einem Salzbergwerk zwangsverpflichtet. Späterwerden sie in eine Fabrik geschickt.

Anfang 1942 drängt Herzel seinen Sohn zur Flucht, denn er bangt um dessen Leben. Nachdem er angeschossen wurde, gelingt es Sigmund, Lamalou Les Bains zu erreichen, wo seine jungverheiratete Schwester mit ihrem Mann und ihrem gerade geborenen Sohn wohnt.

Der Rest der Familie Spira bleibt in Salleles d’Aude bis zum 26. August 1942, dem Tag an dem die massiven Razzien stattfinden, die gezielt gegen ausländische Juden gerichtet sind. Die ganze Familie außer Gisela und Siegmund wird über die Lager von Rivesaltes und Drancy nach Auschwitz deportiert.

Siegmund versteckt sich in verschiedenen Ortschaften im Süden Frankreichs bis in den Sommer 1943 und hält sich dann noch einmal bei seiner Schwester und ihrem Ehemann auf. Die Gruppe reist dann in die italienisch besetzte Zone in unmittelbarer Umgebung von Nizza im Massif du Mercantour.

In einem einmaligen Sommer genießen Siegmund und alle die anderen geflüchteten jungen Juden in St Martin Vésubie diese Pausenzeit. St Martin ist ein kleiner Touristenort in Grenznähe, wo Hunderte von jüdischen Flüchtlingen in Zwangswohnsitz von der italienischen Verwaltung untergebracht sind. Viele haben versucht, die Berge zu überqueren, um der schon in Süditalien stationierten alliierten Armee entgegen zu kommen.

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Foto von St Martin.
Sammlung Lea Réuvéni


Ende August 1943 kommt die Gefahr wieder näher und am 3. September wird der Waffenstillstand mit Italien unterzeichnet. Am 8. September besetzt die Wehrmacht die ehemalige italienische Zone. Am 10. September kommt die Gestapo nach Nizza.

In St Martin fordert das lokale Hilfskomitee für jüdische Flüchtlinge die Familien auf, ihre Koffer schnell zu packen und der italienische Armee bei ihrem Rückzug zu folgen. Mit einer Gruppe von 1200 Männern, Frauen und Kindern versucht Siegmund, über die Alpen zu fliehen. Dieses Überqueren fand zwischen dem 9. und 13. September stat, und wird als ein biblischer Exodus gesehen.
328 Personen werden festgenommen und zum Lager von Borgo San Dalmazzo in Italien unter der Bewachung der italienischen Soldaten bis zur Ankunft der S.S. geleitet.

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Deportation


Zwei Monate später, am 21. November, wird das Lager evakuiert und sie werden nach Nizza gebracht. Dort verhört sie die Gestapo.
Siegmund kommt in Drancy am 24. November an. Die französischen Behörden nehmen ihm die 1130 italienische Lire ab , die sich in seinem Besitz befanden.

Ebenso wie eine beträchtliche Anzahl der Internierten von Borgo wird Sigmund am 7. Dezember 1943 mit dem Transport 64 nach Auschwitz deportiert.
1945 wird Siegmund Spira in Bergen-Belsen befrei, und nach Belgien zurückgeführt.

Er ist der einzige Überlebende seiner Familie.
Im Jahre 2006 lebt Siegmund Spira immer noch in den Vereinigten Staaten. Er ist der letzte Überlebende Eines Gewöhnlichen Exils
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Siegmund Spira 1945
Sammlung S.Spira




Siegmund Spira

Foto

Geburtsdatum: 18. August 1923

Geburtsort: Berlin, Deutschland

Adresse vor 1938: Keibelstraße, Berlin

Exilroute: Brüssel - Bram - Salleles d’Aude - Lamalou Les Bains- St Martin Vésubie - Borgo San Dalmazzo - Nizza – Drancy

Status bei der Befreiung: Überlebender

Im Jahre 2006 ist Siegmund Spira noch am Leben, er lebt in den Vereinigten Staaten.