Rosalie Eilander ist Jüdin. Sie kommt aus der Provinz Tacovo in der Slowakei. Sie verlässt ihr Land und geht mit ihrer Schwester Regina nach Belgien, wo sie am 24. November 1937 ankommt. Rosalie wohnt bei ihrem Cousin Herman Weider in der Rue de l’Instruction 101 in Anderlecht in Brüssel und sie besitzt einen tschechoslowakischen Reisepass mit der Nummer 26/37, der am 6. November ausgestellt wurde. Sie beantragt das politische Asyl nicht. Im Dezember 1937 meldet sie sich einfach bei den belgischen Behörden. In März 1938 schreibt sie sich ins Ausländerregister ein, aber sie begründet ihre Ankunft in Belgien nur mit dem „Wunsch bei ihrem Cousin zu bleiben“.
Der österreichische Kreis
Rosalie wird von dem belgischen Nachrichtdienst schnell als politisch aktiv bemerkt. Sie gehört dem österreichischen Kulturverein an, der Ausländer zusammenführt. Sie treffen sich im Café du Cygne in Brüssel. Unter ihnen sind viele Exil-Kommunisten. Nach einem Bericht vom 17. Juni 1939 sind die Mitglieder dieses Vereins „sehr vorsichtig, was die Politik anbelangt. Ihnen kann keinerlei Propaganda nachgewiesen werden.“ In Brüssel lernt Rosalie ihren zukünftigen Mann Wilhelm Linder kennen. In einem Polizeibericht steht, dass sie Le Secours populaire oder das Haus der Tramwaymen besucht. Wir wissen aber, dass Wilhelm auch öfter dort war.
Exodus
Nach den Verhaftungen vom 10. Mai 1940 wird Rosalie, die schwanger ist, nach Frankreich evakuiert. Mit einer Gruppe anderer Flüchtlinge aus den Beneluxländern wird sie nach Salleles d’Aude geschickt. Am 4. Juni 1949 wird sie dort registriert. Wilhelm und sein Bruder Bertold, die aus dem Lager von St Cyprien geflüchtet sind, kommen bald zu ihr. Im Januar 1941 bekommen Rosalie und Wilhelm einen Sohn: Raymond wird in Narbonne geboren. Sie heiraten ein Jahr später im Januar 1942. Während den Verhaftungswellen im August 1942 ist Rosalie, die nun Linder heißt, wieder unterwegs. Die Gruppe begibt sich nach Lamalou les Bains. Die Reise geht weiter und die Familie lässt sich im Frühling 1943 in St Martin Vésubie nieder. Rosalie und ihre Schwägerin Gisela Linder Spira kümmern sich um die Wäscherei, die von den beiden Familien eröffnet worden ist, um ein bisschen Geld zu verdienen. Im September 1943 wird der Waffenstillstand zwischen den Alliierten und Italien unterschrieben und die Gruppe ist dadurch erneut in Gefahr. Sie versuchen über die Alpen nach Italien zu fliehen, aber sie werden von der Wehrmacht und der SS empfangen. Rosalie Eilander wird mit ihrem Mann und ihrem Sohn im Lager von Borgo San Dalmazzo interniert. Sie werden gemeinsam über Nizza ins Lager von Drancy und dann am 7. Dezember nach Auschwitz deportiert. Am 12. Dezember, als der Transport 64 ankommt, werden Rosalie und ihr Sohn Raymond sofort vergast.