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Pont-de-Marne ist das zweite durch die Direction des Centres d’Accueil (Direktion der Aufnahmezentren – DAC) des Abbé Glasberg eröffnete Aufnahmezentrum. Dieser gründete die DCA, um Flüchtlinge aus den Lagern herauszuholen und ihnen die Möglichkeit zu geben, „bis Kriegsende unter menschenwürdigen Bedingungen zu leben“. Der Abbé Glasberg spricht davon wie von einer Art Gemeinschaftshaus.1 Diese Direktion wurde zwar zu Beginn des Jahres 1941 mit Nina Gourfinkel gegründet, doch nimmt das erste Zentrum in Chansaye (Département Rhône) seine ersten Insassen erst im November 1941 auf, das zweite in Pont-de-Marne (Département Drôme) am 8. Mai 1942. In Pont-de-Marne werden zweiundfünfzig dem Lager von Gurs entrissene jüdische Flüchtlinge untergebracht. Laut Robert Serre, der ein Buch unter dem Titel De la Drôme aux camps de la mort (Vom Département Drôme in die Todeslager) veröffentlicht hat, wohnen hauptsächlich belgische Juden in Pont-de-Marne im Hotel Bitsch. 2 Laut Pastor Fabre gibt es unter den Insassen Personen, welche durch die CIMADE, für die er wirkt, besonders betreut werden. Er erwähnt das Ehepaar Ebecke, das Ehepaar Paters, er erster Tenor der Oper Berlin, das Ehepaar Gauck, politische Nazigegner, Herrn Blumenfeld, Frau Marx und ihre Tochter, alle aus Gurs gekommen. Diese Pastor hat die Örtlichkeiten wie folgt beschrieben: „Wo liegt dieses Pont-de-Manne? In Romans-sur-Isère nehmen Sie die Straße am linken Flussufer. Da kommen Sie nach Saint-Nazaire-en-Royans [...] und wenn sie die Bourne Richtung Pont-de-Royans bis zu der Brücke flussaufwärts fahren, wo sich Ihnen zwei Richtungen anbieten, sind Sie schon da, beim Pont-de-Manne.“ 3„Diese ‚Insassen’ in diesen unglücklichen Zeiten“ befinden sich in einem direkt an die Brücke angebauten Flachbau, bestehend aus einem einzigen, nach den vier Himmelrichtungen hin offenen großen Raum, an den das Hotel anschließt. Pastor Fabre erklärt, dass „dieses Hotel gemietet worden war, um als Zufluchtsort für einige aus Gurs und anderen Lagern Entlassenen zu dienen. Das Komitee des Abbé [Glasberg] hatte das Haus unter die Leitung eines Ägypters [Henri Zagdoun] gestellt, und der Eigentümer dieses Zufluchtortes hatte zugestimmt, mit seiner Familie in sehr notdürftig hergerichteten Nebengebäuden zu leben“. Es sind einige Monate Atempause für diese dem Stacheldraht entrissenen Männer und Frauen, einige Monate vor den Verhaftungen des Sommers 1942, von denen das Zentrum schwer getroffen wurden. Der Abbé Glasberg schreibt in einem im September 1944 verfassten Bericht: „Die Deportationen treffen Pont-de-Manne schwer, dessen Direktor, Hauptmann Zagdoun, sich bei dieser Gelegenheit als Feigling erwiesen hat: nicht nur verhilft er keinem der einunddreißig zur Verhaftung bestimmten Insassen zur Flucht, er liefert sogar aus Angst, die Präfektur könnte ihn für die Flucht verantwortlich machen, den Gendarmen drei Insassen, denen es gelungen war, sich zu verstecken, sowie drei junge Fremdarbeiter, die sich zufällig im Zentrum befanden und gar nicht auf den Listen standen. Es gelang, drei von ihnen aus dem Durchgangszentrum von Vénissieux herauszubekommen, und David Donoff verhalf einem vierten zur Flucht. Leider verhinderten die damals herrschenden Schwierigkeiten eine sofortige Entlassung Zagdouns, obwohl diese unerlässlich gewesen wäre.“ 4 Pastor Fabre berichtet, dass, als er sich am Tag nach den Verhaftungen an Ort und stelle begibt, „der Ägypter in seinem Büro sitzt und Bestürzung vortäuscht. Wir erfuhren später, dass er am Vortag über die bevorstehende Razzia Bescheid wusste. Unordnung in den Zimmern. Schatten huschen vorbei und flüstern mir in ihrer Sprache zu: ‚Schnell, gehen Sie zu Herrn Bitsch, er wird Ihnen sagen ... es ist furchtbar. Sagen Sie uns, wo wir in den Wald flüchten können?’ Es gelingt mir gerade noch, einem ruhigeren Mann zu sagen: ‚In den Wald haben sie niemals die Nase gesteckt noch einen Fuß gesetzt, aber er ist nicht leicht zu erreichen’. Und dazu geht der Ägypter hin und her und versucht, zu erraten, was gesprochen wird.“ 5 Die Besetzung der Südzone am 11. November 1942, das Untertauchen des Abbé Glasberg um Weihnachten macht eine Umstrukturierung unumgänglich. Eine Organisation wird als Deckadresse eingerichtet, um die Fortsetzung der Arbeit der DCA zu ermöglichen. Vorerst erfüllt die „Amitié chrétienne“ ihre Aufgabe im Geiste de DCA. Die Verhaftung ihres Direktors Jean Marie Soutou und die Ernennung einer neuen Direktion, welche die wirkliche Tätigkeit der DCA nicht kennt, verkompliziert das Ganze. Der Abbé Glasberg setzt fort: „Am Pont-de-Manne verfolgte Zagdoun, in der Gewissheit, straffrei zu bleiben, seinen persönlichen Vorteil und schikanierte die Insassen. Wir bestanden auf die Auflösung dieses Heimes. [...] Die Auflösung erfolgte im Mai 1943 unter verheerenden Umständen. Zagdoun gab aus den beträchtlichen Lebensmittel- und Holzbeständen nichts heraus und ging unter Hinterlassung einer Reihe unverwarteter Schulden. Die Insassen von Pont-de-Manne zerstreuten sich und diejenigen, die nichts hatten, wohin zu gehen, wurden heimlich unter einer falschen Identität zum Bégué überstellt, nicht ohne dass Zagdoun Schwierigkeiten gemacht hätte.“ 6 Unsere Nachforschungen über dieses Zentrum sind noch im Gange und der vorliegende Artikel wird später um weitere Erkenntnisse erweitert. |
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