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Vor der Veröffentlichung einer den Flüchtlingen in der Schweiz gewidmeten Arbeit veröffentlicht dorot | association d'histoire die Zeugenaussage eines Ehepaars im Exil, das der österreichischen Gruppe sehr ähnlich war und dennoch Besonderheiten aufweist. Sie gingen von der UdSSR über Nordafrika, Frankreich und Italien in die Schweiz. Wie viele Männer seiner Generation, die nach Frankreich flüchteten, meldet sich Mottel Kurys bei der Fremdenlegion, um einer Internierung zu entkommen. Doch die Kollaborationspolitik von Vichy und die großen Razzien vom August 1942 holen ihn ein. Seine Frau Lena Winter, die er im Lager von Rivesaltes im Jahre 1942 kennen lernt, hatte eine, wenn schon nicht klassische, so doch etwas üblichere Route hinter sich. Die Besonderheit ihres gemeinsamen Schicksals liegt darin, dass sie trotz des Waffenstillstands im September 1943 und der Landung der Alliierten in Sizilien rechtzeitig verstanden haben, dass es in Italien immer noch Gefahren gab. Für sie war die Schweiz daher die einzige Lösung. Wie die Kornweitz – Linder – Spira- Gruppe sind die Kurys durch St Martin Vésubie gekommen und haben Italien mit den flüchtenden italienischen Soldaten erreicht. Warum wurden sie nicht von der Wehrmacht in Valdieri festgenommen? Wie viele Stunden und Tage Vorsprung hatten sie ihren Verfolgern gegenüber, was ihnen ermöglicht hat, der Festnahme, der Internierung im Lager von Borgo San Dalmazzo und der Deportierung zu entgehen? Viele unbeantwortete Fragen, viele wundersame Zufälle. Die Kurys haben mit eigenen Worten, in einem manchmal unbeholfenen, aber „richtig gedachten“ Französisch, den Schweizer Militärs die Einzelheiten ihres Übertritts von Italien in die Schweiz sowie die Geschichte ihres Exils erzählt. Hier wird die Übersetzung des Verhörprotokolls von den dorot | association d'histoire-Forschern wiedergegeben. ![]() „Stacheldrahtzaun, der den Bereich der Internierten vom Bereich des Personals trennte."Quelle: F/7/15110 Archim Datei Verhörprotokolle, Bellinzona, in der Schweiz, am 2. Juni 1944.
Mottel KurysMein Vater war Miteigentümer einer Mühle und eines Sägewerkes in Wladimir Volinsk. Ich bin in meinem Heimatort und in Warschau (Polen) in die Volks- und in die Mittelschule gegangen. Ich habe meine Handelstätigkeit in Warschau begonnen. Im Jahr 1928 ging ich nach Frankreich, wo ich in der Rue Monge Nr. 19 im fünften Bezirk in Paris wohnte. Meine Tätigkeit als Handelsreisender mehrerer Firmen der Seidenbranche setzte ich fort. Im September 1939 habe ich mich freiwillig zur französischen Armee gemeldet. Ich machte meine militärische Ausbildung in Sidi-Bel-Abbès (Algerien) und in Fès (Marokko). Ich habe ab dem Waffenstillstand vom Juni 1940 beim Bau der Transsaharischen Eisenbahnlinie gearbeitet. Am 8. März 1941 wurde ich aus dem Regiment von Fès (Marokko) demobilisiert und nach Brive-la-Gaillarde (Corrèze) in Frankreich zurückgeschickt, wo ich bis zum 25. August 1942 im Gaswerk der Stadt gearbeitet habe. Lena Kurys-Winter
“Nachdem mein Vater, der einen Stoffladen besaß, 1929 gestorben war, bin ich mit meiner Mutter von Rostov weggegangen, um zu ihren Eltern nach Antwerpen in Belgien zu gehen. Ich bin in Belgien in die Volks- und Mittelschule gegangen. Dort bin ich bis zum Tod meiner Mutter im Juli 1942 geblieben. Einige Wochen später bin auf Umwegen ins unbesetzte Frankreich gegangen. Dort wurde ich wegen meiner Rasse in verschiedenen Konzentrationslagern interniert. Ich habe Herrn Kurys im Lager von Rivesaltes (Département Pyrénées Orientales) kennen gelernt, wo ich geheiratet habe, um von den Behörden geschützt zu werden, denn mein Ehemann war ein ehemaliger Soldat. Da mich die Deutschen nicht freilassen wollten, habe die Überstellung ins Lager von Gurs (Geurst im Protokoll) genützt, um zu fliehen. So bin ich zu meinem Mann nach Brive-la-Gaillarde gegangen, wo die französischen Behörden mir eine amtliche Aufenthaltsgenehmigung ausgestellt haben. Hier wurden wir immer noch von den Deutschen gesucht. So sind wir im April nach Voiron in die von den Italienern besetzte Zone gegangen. Nach dem Waffenstillstand sind wir mit der italienischen Truppe über Saint-Martin-Vésubie (Nizza) und über die Berge nach Termedi Valdieri (Cuneo) gegangen. Wir sind bis Ende Oktober in den Bergen geblieben. Dann, auf dem Rat eines Priesters, gingen wir nach Genua, da Durchsuchungen durch die Deutschen zu erwarten waren. Wir haben bis 25. Mai 1944 versteckt bei unbekannten Personen gelebt und beschlossen dann, die Schweizer Grenze beim Lago Maggiore zu überqueren. Leider ist es uns nicht gelungen, so haben wir uns Richtung Como in eine Ortschaft am Comer See begeben. Ein Unbekannter hat uns zur Grenze auf den Berg begleitet, die wir am 30. Mai 1944 um 2 Uhr 30 überquert haben. Zwei Soldaten, die wir gerufen und mit einer Taschenlampe auf uns aufmerksam gemacht hatten, haben uns festgenommen und zum Posten von Cabbio geführt, wo wir uns ausgeruht haben. Von dort sind wir nach Chiasso und nach Bellinzona, Casa d’Italia, geführt worden.“ |
Mottel KurysStaatsbürgerschaft: Russe
Von seiner Frau begleitet Lena Kurys-Winter.Staatsbürgerschaft: Russin.
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