Frieda ist das zweite Kind und die einzige Tochter der Familie Linder. Sie wurde im Jahre 1912 geboren, knapp ein Jahr nach ihrem Bruder Bertold. Ihre Geburt veranlasst die Familie , Brody zu verlassen, um nach Wien zu gehen.
Wie auch bei ihrem Bruder Wilhelm sind die Informationen, die wir über Friedas Leben vor 1938 haben, sehr begrenzt. Aus der Autobiographie ihres Bruders Bertold wissen wir jedoch, dass sie mit dessen erster Frau Emilie Meier seit der Kindheit befreundet war.
Hochzeit in Wien
1934 zieht Frieda um: Sie verlässt die Wohnung der Familie in der Hannovergasse 13 und lässt sich mit ihrem Ehemann Nathan Otto Kornweitz in der Glasergasse 22 nieder. Im Oktober 1936 kommt Karin Suzanne. auf die Welt.
Als Nathan 1938 aus Wien flieht, beantragt Frieda ein befristetes Visum und versucht, zu ihm nach Belgien zu kommen.
In einem Brief vom Juni 1938 unterstützt Irma Engelbert, die in Westend in Belgien wohnt, Friedas Antrag. Sie schreibt, dass sie Frieda und ihre Tochter für acht Wochen Urlaub am Meer zu sich eingeladen hätte. Der Antrag wird jedoch abgelehnt, denn die belgischen Behörden kennen Friedas Mann: Er hat in Belgien politisches Asyl beantragt.
Am 8. August 1938 kommt Frieda mit ihrer Tochter illegal nach Belgien. Wie ihre Brüder und ihr Ehemann stellt sie sich unter den Schutz des Hilfskomitees für die jüdischen Flüchtlinge. Sie meldet sich bei den Behörden am 13. September.
Alleine
Frieda trennt sich von Nathan nach dessen Selbstmordsversuch. Sie zieht Anfang März 1939 mit ihrer Tochter bei ihren Brüdern in Anderlecht ein. Da sie nicht offiziell geschieden sind, unterschreibt Frieda mit den Namen Linder und Kornweitz.
Nach der Festnahme ihres Ehemanns und ihrer Brüder am 10. Mai 1940 versucht Frieda, nach Frankreich zu gehen. Sie wird jedoch als Staatsangehörige eines feindlichen Landes von der französischen Polizei festgenommen. Frieda und Karin werden am 18. Mai 1940 im Schloss von Frémont in Vallon en Sully im Département Allier interniert.
Nach ihrer Befreiung am 7. August gibt Frieda an, sich über das Lager von St Cyprien in Perpignan zurückzuziehen. Auf ihrem Entlassungspapier aus dem Lager steht, dass sie sich im britischen Konsulat aufhalten werde. Es ist nicht abwegig zu denken, dass Frieda vorhatte, zu ihren Eltern nach London zu gehen. Nach ihrer Entlassung aus dem Schloss von Frémont verlieren wir Friedas Spur. Wir wissen weder wo, noch wann sie Robert Haas kennen gelernt hat, einen Juden aus Strassburg, dessen Gemeinde nach Limoges und Périgueux geflüchtet war.
Robert gibt Frieda am 1. Februar 1941 eine Bescheinigung für den Präfekten vom Departement von Aude, in der er ihr finanzielle Unterstützung zusichert und sich für ihre Existentsicherung verbürgt. Diese Bescheinigung ist auf dem Briefpapier seiner Zahnarztpraxis in Limoges geschrieben.
In einem Brief an den Präfekten vom Departement von Aude vom 10. Februar 1941 erkundigt sich Frieda nach einer möglichen Regelung ihrer Lage. Wir erfahren, dass Karin in einer Kinderkrippe in Limoges wohnt. Frieda führt Namen als Empfehlung an: es handelt sich um Dr. Georgette Haas und um Frau Fernande Haas.
Ein ruheloses Exil
Wir finden Frieda ein wenig später im Januar 1942 in Salleles d'Aude auf der Hochzeit ihrer Brüder wieder. An diesem Tag ist sie bei deiden Eheschließungen anwesend. Als die Gruppe im Sommer 1942 Salleles d’Aude verlässt und nach Lamalou les Bains geht, sind Frieda, Karin und Robert anscheinend auch dabei. Sie wohnen alle in dem gleichen Haus. Robert eröffnet eine Zahnarztpraxis.
Frieda erscheint dann wieder in der Zählung der Juden von Barcelonnette in den Hautes-Alpes. Sie ist einem Zwangswohnsitz zugewiesen. Sie dürfte sich in das Haus der Croisette mit Robert und natürlich ihrer Tochter am 7. April 1943 eingezogen sein.
Frieda und Karin sind im Milchrationierungsheft eingetragen . Die Eintragung Friedas könnte durch eine Schwangerschaft erklärt werden. Der Zeitpunkt, an dem Frieda, Karin und Robert von Barcelonnette nach St Martin Vésubie ziehen, ist uns unbekannt. Wir finden sie jedoch in Begleitung der Brüder Linder und ihrer Familien wieder. Zusammen versuchen sie, im September 1943 nach Italien zu fliehen. Sie werden später im Lager von Borge San Dalmazzo interniert.
Frieda und Karin fahren am 22. November 1943 von Nizza nach Drancy. Als Frieda im Lager ankommt, werden ihr folgende Dinge abgenommen:
* 1000 Francs, * ein zerbrochenes Goldarmband , * eine Damenuhr, * zwei Damenuhren aus Gold, * zwei Ringe aus Gold, einer mit Steinen * zwei Ringe aus Platin mit Diamanten, * eine Goldkette , * eine Garnitur goldener Zähne und Goldsplitter. * zwei Goldmünzen zu 20 Francs .
Aus diesem Verzeichnis wird deutlich, dass ein Teil der von Frieda hinterlegten Gegenstände von Robert stammen. Ihr Lebensgefährte wollte sie vielleicht schützen, falls sie während der Fahrt von Borgo getrennt würden.
Karin und Frieda werden am 7.Dezember mit dem Transport 64 nach Auschwitz deportiert.
Frieda Linder Kornweitz und ihre Tochter Karin Kornweitz kommen am 12. Dezember 1943 im Auschwitz an. Sie werden gleich nach der Ankunft vergast.