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Zwischen 1933 und 1942 fliehen an die 130.000 Personen wegen des Anschlusses und der Anwendung der Nürnberger Gesetze aus Österreich. Im Mai 1939 haben bereits 100.000 Personen Österreich verlassen. Die große Mehrheit dieser Exilanten sind Juden, aber das politische Klima treibt auch die Kommunisten und die Sozialisten dazu, dem Regime zu entfliehen, das sie in die Illegalität drängt. ![]() Wenngleich die Exilrouten im Allgemeinen in Richtung Belgien, Frankreich, Schweiz oder auch Sowjetunion gehen, so ist doch festzustellen, dass einige eher ungewöhnliche Ziele wählen. Die Politik des nationalsozialistischen Regimes, die zunächst nur darin besteht, das Dritte Reich „judenfrei“ machen zu wollen, organisiert ebenfalls die Auswanderung dieser Unerwünschten in die unwahrscheinlichsten Gebiete. Europa hat zu dieser Zeit bei weitem seine kolonialistischen Bestrebungen noch nicht aufgegeben. In diesem Zusammenhang ist die vom britischen Kolonialamt gespielte Rolle beim Versuch, das Problem dieser staatenlos gewordenen Juden zu lösen, bemerkenswert. Wir sehen auch, dass bereits zu Beginn des Jahrhunderts die zionistischen Führer versuchen, dieses Problem zu lösen. Der Zionistische Kongress plant eine Besiedlung eines Territoriums, das sich in Kenia befindet, doch schon im Jahre 1903 wird das Projekt wieder aufgegeben. Nach der Ausbreitung des Nationalsozialismus in Deutschland wird diese Idee einer jüdischen Besiedlung in Afrika tatsächlich wieder auf der Liste der Lösungsmöglichkeiten stehen. Einwanderung in die britischen Kolonien
Im Britischen Colonial Office ist die Rede davon, ehemalige deutsche Kolonien zu einem Aufnahmegebiet für Juden zu machen. In Frage kommen Nordrhodesien, Tanganjika, Angola und andere noch ausgefallenere Projekte (Burma oder die Insel Socotra vor der Küste des Jemen)
UdSSR, Japan
Als im September 1939 der Krieg in Polen ausbricht, sitzen 3,5 Millionen Juden zwischen der russischen Front und Deutschland fest. Ende 1940 – einige Monate vor Beginn der Massenvernichtung der polnischen Juden durch die Deutschen – finden 2100 Juden dank der Hilfe zahlreicher Organisationen und individueller Anstrengungen Zuflucht in Litauen.
Die deutschen und österreichischen Flüchtlinge in Shanghai:
Vor dem Zweiten Weltkrieg war die Stadt Shanghai geteilt. Die Öffnung des Handelshafens für die westliche Welt erlaubte es Großbritannien, Frankreich, den USA und Portugal, exterritoriale Rechte in der Stadt einzurichten. Einerseits wurden die internationalen Konzessionen von einem Gemeinderat geleitet, der aus den westlichen Behörden bestand, während Frankreich seine eigene Konzession über den Generalkonsul verwaltete. Lange vor der Flucht der europäischen Juden angesichts des Aufstiegs des Nationalsozialismus hatten sich zwei Gruppen von Juden in Shanghai niedergelassen: einerseits eine kleine Gruppe von 700 sephardischen Juden, deren Eltern oder Großeltern Mitte des 19. Jahrhunderts als Kaufleute aus dem Irak kamen, und die im Laufe der Zeit die soziale Leiter erklommen. Die andere, größere Gruppe ergab sich aus der Flucht von einigen Tausend russisch-aschkenasischer Juden nach der Revolution von 1917. Als im Jahre 1933 in Europa die Nationalsozialisten beginnen, die Juden zu verfolgen, wandern ungefähr 17.000 deutsche und österreichische Juden nach Shanghai aus. Aufgrund des japanisch-chinesischen Konfliktes im Jahre 1937 gelangt jener Teil von Shanghai, der bis dahin unter internationaler Kontrolle stand (Hongkew), unter japanische Herrschaft. Nach den Ereignissen von 1938 kommen die Juden in Massen nach Shanghai, oft mit der ganzen Familie. Sie können es sich nicht leisten, auf dem Gebiet der internationalen Konzessionen zu leben, denn sie wurden bei ihrer der Flucht aus dem Dritten Reich ihres gesamten Vermögens beraubt. Während dieser Zeit fördert die nationalsozialistische Regierung die Auswanderung der Juden so sehr, dass sie die Befreiung von KZ-Häftlingen ermöglicht, die auswandern wollen. Bis August 1939 wurde kein Visum verlangt, um nach Shanghai auszuwandern. Die wirtschaftliche Lage war für die Flüchtlinge extrem unsicher, die Lebensbedingungen in Shanghai waren ebenso hart, wie der Kulturschock, den sie dort erlebten. Jedoch hielten die Flüchtlinge gut durch, und es dauerte nicht länger als ein Jahr, bis ein Viertel von Hongkew unter dem Namen „Kleines Wien“ – Bastion der Wiener jüdischen Kultur – bekannt wurde. Als die Anzahl der Flüchtlinge in Shanghai von 1500 im Jahre 1938 auf 17000 im Jahre 1939 ansteigt, wird es für diesen Mikrokosmos schwierig, zu überleben. Einige der lokalen Juden, die einen gewissen geschäftlichen Erfolg verzeichnen konnten, gründen im Jahre 1938 ein Unterstützungskomitee für die europäischen Juden von Shanghai und wenden sich an das Joint Distribution Commitee, welches ihnen eine Finanzhilfe von 100.000$ für das Jahr 1939 gewährt, was jedoch kaum ausreicht, um all den Familien zu helfen. Ende 1939 sind mehr als die Hälfte der Flüchtlinge von dieser Unterstützung sowohl für die Wohnung als auch für ihren täglichen Unterhalt abhängig. Das Umherirren der Flüchtlinge auf der St Louis:Am 13. Mai 1939 schiffen sich 937 deutsche Juden, Männer, Frauen und Kinder, in Hamburg auf dem Dampfer St. Louis, Eigentum der durch die Nazis verstaatlichten Seefahrtsgesellschaft „Hapag“, ein. Alle besitzen eine kubanische Landungsgenehmigung oder ein Affidavit für die USA. Die Überfahrt nach Kuba findet in einer festlichen Stimmung statt. Viele Flüchtlinge feiern das Ende ihrer Leiden. Kuba, das den Beginn einer massiven Einwanderung europäischer Flüchtlinge befürchtet, erklärt die Genehmigungen für ungültig, indem es behauptet, dass sie gefälscht worden seien, und lässt die Passagiere der St. Louis nicht aussteigen. Darauf beginnt das Umherirren der 937 Passagiere der St. Louis. Von Kuba, den USA und Kanada zurückgewiesen – die gültigen Quotengesetze in diesen Ländern machen den Flüchtlingen jeden Zugang unmöglich – irrt die St. Louis einen Monat lang auf See umher. Im Mai 1939 erhalten die verzweifelten Passagiere der St. Louis Unterstützung von der amerikanischen Öffentlichkeit, die von der Regierung verlangt, dass man die Flüchtlinge nicht nach Europa zurückfahren lässt. Trotz dieser Unterstützung und der Tatsache, dass mehr als 725 (also mehr als zwei Drittel der Passagiere) Affidavits oder Auswanderungspapiere für die USA besitzen, lässt sich die US-Regierung nicht erweichen.Es gelingt dem Joint Distribution Commitee, dessen Wirken darin bestand, in der ganzen Welt das Schicksal der Juden aus dem Ausland zu verteidigen, Frankreich, Großbritannien, Belgien und Holland zu überzeugen, die Passagiere der St. Louis unter sich aufzuteilen. Der Joint verpflichtet sich, 500$ für jeden der Männer, Frauen und Kinder an Bord zur Verfügung zu stellen. Die Passagiere der St. Louis symbolisieren das Umherirren der immer wieder zurückgewiesenen jüdischen Flüchtlinge auf der Suche nach einem sicheren Hafen. Varian FryDer amerikanische Journalist Varian Fry wird von der privaten amerikanischen Organisation „The Emergency Rescue Commitee“ nach dem Juni 1940 nach Frankreich gesendet, um den Gegnern des Nationalsozialismus (Juden und Nichtjuden), die von der Gestapo bedroht sind, zu helfen, aus dem Land zu kommen. Mit 3.000 $ und einer Liste von 200 wichtigen Flüchtlingen kommt er im August 1940 in Marseille an und bleibt 13 Monate lang in Frankreich. Auch ihm droht eine Festnahme sowohl durch die Gestapo als durch der Polizei der Vichy-Regierung. Er steht unter ständiger Bewachung und wird öfters festgenommen und verhört. Es gelingt ihm jedoch, legal eine Hilfsorganisation für die Flüchtlinge zu errichten, die ihm dann als Deckmantel für seine wirkliche Zielsetzung dient: nämlich die bedrohten Personen aus dem Land zu bringen. Er bedient sich aller erforderlichen Mittel, finanziert sich über den Schwarzmarkt, benutzt geheime Übergänge in den Bergen, stellt falsche Papiere her... Dank Varian Fry schaffen es mehr als 2.000 Personen, unter ihnen auch viele Künstler und Intellektuelle wie Max Ernst, Marc Chagall, Hannah Arendt, André Breton oder Marcel Duchamp, aus dem Land zu fliehen. Der amerikanische Vizekonsul Hiram Bingham IV stellt sich gegen das amerikanische State Department, das die Aktion von Fry nicht unterstützt, und liefert ihm eine große Anzahl legaler und illegaler Visa. Fry und seine Organisation haben die Auswanderung von mehr als 2.000 Flüchtlingen ermöglicht, die über Portugal oder Martinique (Fry hatte die Schiffsreise von Marseille zur Insel organisiert), in die USA kommen konnten. Aufgrund dieser Aktivitäten, die sowohl gegen die Politik von Vichy als auch gegen jene der USA gerichtet waren, wurde Fry im September 1941 von Frankreich abgeschoben. Für sein Wirken erhält Fry später mehrere Ehrungen und Auszeichnungen: in Frankreich wird er zum Ritter der Ehrenlegion ernannt und von der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem erhält er dreißig Jahre nach seinem Tod den Titel eines „Gerechten unter den Völkern“. |
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Im Mai 1939 erhalten die verzweifelten Passagiere der St. Louis Unterstützung von der amerikanischen Öffentlichkeit, die von der Regierung verlangt, dass man die Flüchtlinge nicht nach Europa zurückfahren lässt. Trotz dieser Unterstützung und der Tatsache, dass mehr als 725 (also mehr als zwei Drittel der Passagiere) Affidavits oder Auswanderungspapiere für die USA besitzen, lässt sich die US-Regierung nicht erweichen.


