Am 26. August 1942 in der Früh fährt der Transport 24 vom Bahnhof von Le Bourget Drancy in der besetzten Zone ab. 1.002 Personen werden nach Auschwitz deportiert. Zur gleichen Zeit findet die massive Razzia, die vom Generalsekretär der Polizei René Bousquet in Zusammenarbeit mit der Direktion der Staatspolizei und den regionalen und departementalen Präfekturen vorbereitet wurde, überall in der freien Zone statt.
Die Organisation der Razzien und der Deportationen:
Am 28. Juli 1942 beginnen unter der Kontrolle von Rötke, dem neuen Chef der Gestapoabteilung für jüdische Angelegenheiten, vermehrte Deportationstransporte sowohl aus der besetzten Zone als auch aus der freien Zone. Die Hauptbetroffenen sind die staatenlosen Juden. Die Regierung von Vichy verpflichtet sich, vor dem 2. August ein erstes Kontingent von 3.000 bis 4.000 Juden zu deportieren. Für Leguay und Bousquet besteht das Ziel darin, die 15 Züge, die für August vorgesehen sind, sowie die 13 von Rötke schon für September vorgesehen, zu füllen. Die Transporte vom August bestehen hauptsächlich aus Juden, die schon in verschiedenen Lagern in Südfrankreich gesammelt wurden. Für die Transporte am 28. und 31. August und in Hinblick auf die Transporte vom September plant die Polizei die Verhaftung von 12.000 staatenlosen Juden in der freien Zone. Am 29. Juli erhält Bousquet den Befehl, alle holländischen und belgischen Juden auszuliefern und ein Gesetz über den Verfall der französischen Nationalität für die Juden, die nach 1919 naturalisiert wurden, zu erlassen. In einem Bericht über das Gespräch zwischen den deutschen Behörden und Bousquet, das Hagen für Rötke verfasst hatte, gibt es einen Auszug über die jüdische Frage, der zeigt, wie gut entwickelt die Kollaboration zwischen dem Regime von Vichy und den Deutschen war, was die Ideologie anbelangte. „Bousquet hat hervorgehoben, dass der Marschall und Präsident Laval von nun an mit dieser Lösung der jüdischen Frage nunmehr grundsätzlich einverstanden waren.“ Zu diesem Zeitpunkt schätzen die deutschen Behörden, dass bis Ende August 26.000 Juden aus Frankreich deportiert werden. Darquier de Pellepoix, der seit dem 1. Mai 1942 Xavier Vallat in der Direktion der CGQJ ersetzt hat, betont, dass es wichtig ist, dass die Transporte regelmäßig abfahren und erinnert an die Zahl, die Franzosen und Deutsche gemeinsam als Ziel festgelegt haben: 32.000 Juden.
Wenn auch bestimmte Ausnahmen vorgesehen worden waren, zögert Leguay nicht, von 19. bis 26. August jüdische Kinder mit 4 Transporten nach Drancy zu deportieren, die während der Pariser Razzia festgenommen worden waren. Gleichzeitig organisiert die Polizei von Bousquet weiterhin die große Razzia in der freien Zone. Am 18. August werden die Präfekten über das Datum der Razzia informiert und werden angewiesen, sie streng geheim zu halten. Wahrscheinlich, weil er eine ungenügende Zahl von Festnahmen befürchtet, nützt Bousquet diese Gelegenheit, um fünf der elf Ausnahmen, die am 5. August in einer ersten Anweisung aufgezählt waren, aufzuheben. Die Einzigen, die noch ausgenommen werden, sind: Menschen über 60 Jahren, die nicht transportfähig sind, schwangere Frauen, Eltern von Kindern unter zwei Jahren, und solche, die einen französischen Ehepartner haben. Als zu Mittag klar wird, dass die Zahl der Verhaftungen viel niedriger als vorgesehen ausfallen wird und 3.500 Personen nicht überschreiten wird, erinnern die Dienststellen von Bousquet die Präfekten daran, dass die Deportation von Kindern zwischen zwei und 16 Jahren, deren Eltern an die Deutschen ausgeliefert werden können, durchgeführt werden muss. Der Transport der Deportierten von den Sammelstellen zu den Internierungslagern und dann zu den Bahnhöfen wird durch Lastwagen und Busse durchgeführt, die von privaten Unternehmen gemietet wurden. Zum Beispiel in Nizza hat das Unternehmen Darnand der Polizei die notwendigen Mittel für den Transport der Juden bei der Razzia vom 26. August geliefert. Joseph Darnand wird später Chef der Miliz von Vichy.
Nachdem ihnen ein Zwangswohnsitz in Salleles d’Aude zugewiesen worden war, werden Herzel und Rosa Spira mit zwei ihrer Kindern, Felix und Toni, am 26. August 1942 festgenommen und nach Rivesaltes gebracht, wo die Familie einige Tage bleibt. Am 4. September 1942 werden Rosa, Toni, Félix und Herzel Spira nach Drancy deportiert. Am 11. sind sie Teil des Transports 31 nach Auschwitz. Per 28. August sind 6.584 Verhaftungen erfolgt. Diese Zahl hätte durch eine Fortsetzung der Razzien erhöht werden sollen, doch teilt Bousquet den deutschen Behörden mit, dass zahlreiche Juden, die über die Maßnahmen gegen sie Bescheid wussten, in die Schweiz geflohen sind. Bousquet unterhält sich am selben Tag mit dem Chef der Schweizer Polizei per Telefon und rechtfertigt die Razzien: „Diese Personen waren uns nicht dankbar, deswegen müssen wir unser Land von ihnen befreien, um aus der Krise, die wir im Moment durchmachen, herauszukommen.“
Die Deportation der Kinder:
Die Kinder werden ebenfalls deportiert. Am 31. Juli verlässt der 13. Transport aus Frankreich Pithiviers; zum ersten Mal war es notwendig, auf die Mütter zurückzugreifen, um ihn zu füllen: 147 Frauen fahren mit ihren zwischen 15 und 20 Jahren alten Kindern (139) ab. Die französischen Gendarmen hatten diesen Frauen ihre unter 15 Jahre alten Kinder aus den Armen gerissen. Sie werden bis zu ihrer Deportation sich selbst überlassen bleiben. Am selben Tag stellt Laval im Ministerrat den Stand der Verhandlungen zwischen Bousquet und Oberg dar und erklärt, dass „das Problem der Kinder (von 2 bis 15 Jahren) gelöst sei: sie werden vom 8. bis 12. August zu ihren Familien geführt“. Zwischen dem 13. und dem 17. August werden 3.000 ausgehungerte und unbetreute Kinder von der französischen Polizei aus Pithiviers und aus Beaune-la-Rolande nach Drancy zurückgebracht. Zwischen dem 14. und dem 26. August werden 2.265 Kinder von 2 bis 16 Jahren nach Auschwitz zu ihrem unentrinnbaren Tod geschickt.
Dieser zusammenfassende Text stützt sich auf die Arbeit von Serge Klarsfeld in seinem Buch La shoah en France, Band 1: Vichy-Auschwitz, "La Solution finale de la question juive en France", Kapitel 5: les rafles d’août 1942 en zone libre et les transferts en zone ocuppée.
Bousquet, René: Generalsekretär der Polizei des Vichy-Regimes Mai 1942 bis 31. Dezember 1943.
Oberg, Karl: Oberster Chef der SS-Polizei in Paris ab Mai 1942.
Hagen, Herbert: Generalsekretär der SS-Polizei in Paris.
Röthke, Heinz: Leiter der „Juden-Abteilung“ der SS im Juli 1942 mit dem Rang eines „Obersturmführers“. Er leitet das Lager von Drancy von 16. Juli 1942 bis 2. Juli 1943.
CGQJ: Commissariat Général aux Questions Juives = Generalkommissariat für jüdische Angelegenheiten. Einrichtung des Regimes von Vichy, die sich um die Juden-Politik des französischen Staates kümmert.