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Die Kinderkrippe von Limoges


Erinnerungen eines Kinderarztes bei der O.S.E.
im besetzten Frankreich und in der Schweiz 1940 - 1945.
von Doktor Gaston LÉVY
Die Kinderkrippe von Limoges


Sie befand sich in der Rue Eugène Varlin in einem sehr schönen Privathaus inmitten eines Parks.
Leider ließen die Einrichtungen des Hauses für eine Kinderkrippe viel zu wünschen übrig. Einige große Zimmer dienten als Schlafsäle. Es gab ein Büro und eine Verwaltungssekretärin. In der einzigen Küche wurde das Essen der Älteren sowie der Jüngeren vorbereitet. Ich habe mich zuerst um die Einrichtung einer speziellen Küche für das Essen der Kinder gekümmert, sowie eines Babyflaschenzimmers, eines Krankensaals mit Boxen, um die Schaffung von verglasten Wandschirmen, die man zwischen zwei Betten stellen konnte, um ein leicht krankes Kind von seinem gesunden Bettnachbarn zu trennen.

Vorhin habe ich über die Organisation ORT gesprochen, die ihre Schüler auf verschiedene handwerkliche Tätigkeiten vorbereitete. Die gute Zusammenarbeit zwischen OSE und ORT erleichterte mir das Umbauen der Kinderkrippe. In einem unserer Kinderheime – dem von Montintin – gab es eine Tischlerwerkstatt, die von exzellenten Tischlermeistern geführt wurde. Meister und Schüler verwandelten einen großen Raum des Erdgeschosses der Kinderkrippe in einen Krankensaal mit abgetrennten Einzelbetten. Sie stellten sehr schöne Kinderbetten, verglaste Wandschirme usw. her. Ich habe mich darum gekümmert, dass diese Wandschirme auch in anderen Kinderheimen installiert wurden, die oft die Verbreitung von Kinderkrankheiten verhindert haben. Die Leute von ORT gaben mir auch einen Spezialtisch, um die Babyflaschen der ganz kleinen Kinder vorzubereiten, sowie kleine einzelne Fächer mit Abteilungen für sechs Babyflaschen.

Zum Personal der Kinderkrippe gehörte eine Oberschwester, Fräulein Germaine Lévy, die dort seit der Gründung 1940 arbeitete. In ihr fand ich eine kompetente Mitarbeiterin, die die Kinder mit großer Hingabe betreute und ein gutes Einvernehmen mit den Pflegerinnen und dem Hilfspersonal hatte. Üblicherweise wurden die Pflegerinnen unter den Mädchen und den jungen Frauen der jüdischen Familien rekrutiert, die in Limoges und Umgebung Zuflucht gefunden hatten. Die Köchin und die Hilfsköchin kamen auch aus diesem Kreis. Es war nicht immer einfach, ein nichtprofessionelles Pflegepersonal aufzubauen, das von überall her rekrutiert wurde. Die Hygieneregeln und die sorgfältige Pflege, die das Gesetz der Kinderpflege sind, sind für junge Frauen und Mädchen, die in ihren Familien Kinder ohne besondere Sorgfalt aufwachsen gesehen haben, oft schwer verständlich. Aber mit der mütterlichen Liebe groß zu werden, wenn auch mit weniger Pflege und Vorsicht, ist etwas ganz Anderes als die Entwicklung eines kleinen Jungen oder eines kleinen Mädchens in der Gemeinschaft einer Kinderkrippe.

Dennoch, der gute Wille des ganzen Personals und das verstärkte Solidaritätsgefühl haben es sehr schnell erlaubt, dass dieses Haus für kleine und ganz kleine Kinder nach den striktesten Regeln der modernen Kinderpflege funktionierte. Ein Besuch von Herrn Thelin, Direktor der internationalen Organisation „Rettet die Kinder“, im Mai oder Juni 1942 hat mir einen Gratulationsbrief für die Einrichtung und den Betrieb der Kinderkrippe eingebracht. „Denn ich weiß“, schreibt Herr Thelin, „aus eigener Erfahrung - die ich selbst in einer Anstalt gesammelt habe -, dass gute Ergebnisse nur dank der Arbeit aller erreicht werden. Aber manchmal ist auch der Impuls durch einen Leiter entscheidend, was bei Ihnen der Fall ist.“

Was die Lebensmittelversorgung anbelangt, so hat die Tatsache, dass wir uns in einer landwirtschaftlich reichen Region befanden, vieles erleichtert, u. zw. abseits von Rationierungen durch Lebensmittelkarten und abseits von Schwarzmarkt. Später, als ganz Frankreich besetzt war, änderten sich die Bedingungen vollkommen.