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VorkriegszeitBertold Linder wurde im Jahre 1911 im Brody, heute in der Ukraine, geboren. Er ist der älteste Sohn von Jacob und Malka. Als die jüngere Schwester Frieda 1912 auf die Welt kommt, verlässt die Familie Brody und geht nach Wien. Jacob war vorher Angestellter in einer Bürstenfabrik gewesen und Malka hatte als Friseurin gearbeitet. Die aufeinander folgenden Geburten der zwei Kinder haben die Familie gezwungen, ihre Lebensweise zu ändern. Malka kümmert sich um die Kinder und Jacob meldet sich zur Armee. Er wird in einer Kaserne in der Nähe von Wien eingesetzt. Nach dem ersten Weltkrieg wächst die Familie mit Wilhelms Geburt erneut an. Bertold verlässt die Schule mit 18 Jahren und fängt eine Handelslehre an. Laut seiner Aussage geht er zur sozialistischen Jugend. 1933 heiratet er die Freundin seiner Schwester, Emilie Meier. Da sie keine Jüdin ist, heiraten sie standesamtlich . Er arbeitet als Fahrer und gibt an, in der sozialistischen Partei tätig zu sein. Als 1938 das Dritte Reich Österreich annektiert, flieht Bertold mit seinem Bruder nach Belgien. Sie kommen am 14. Mai 1938 illegal dort an und melden sich am 14. Mai 1938 bei den Behörden. Emilie, die Arierin ist, beantragt ziemlich schnell die Scheidung.
InternierungenAm 10. Mai 1940 wird Bertold von der belgischen Polizei während der großen Razzia der „Verdächtigten“ festgenommen. Er findet seinen Bruder im Sammellager wieder. Sie werden in die Lager in Südfrankreich deportiert. Nach einer anstrengenden Fahrt werden sie schließlich im Lager von St Cyprien interniert. Wegen der schlechten Bedingungen im Lager werden Bertold und Wilhelm krank: Typhus und Malaria gehören zum Schicksal aller Internierten. Die beiden Brüder werden ins Krankenhaus eingeliefert, wir wissen jedoch nicht genau wann. Sie fliehen vor der Zählung der Internierten von Oktober 1940 aus dem Krankenhaus St Louis in Perpignan. Sie begeben sich nach Salleles d’Aude, wo Wilhelms Lebensgefährtin einem Zwangswohnsitz zugewiesen ist. In Salleles d’Aude leben ungefähr dreißig ausländische jüdische Flüchtlinge, unter ihnen auch die Familie Spira. Bertold ist wahrscheinlich in einer Gruppe ausländischer Arbeiter eingesetzt und leistet landwirtschaftliche Arbeit. Im Januar 1942 heiraten die beiden Brüder: Bertold nimmt Gisela Spira, 10 Jahre jünger als er, zur Frau und Wilhelm heiratet Rosalie Eilander. Wahrscheinlich wird Bertold dem Zwangwohnsitz in Lamalou les Bains zugewiesen und entkommt der Razzia des 26. Augusts 1942. Am 25. Dezember bringt Gisela einen Sohn auf die Welt: Roland. Die südliche Zone Frankreichs ist von den Deutschen seit November besetzt. Die Familie Linder begibt sich in die italienische Zone. So versucht sie erneut, der Gefahr zu entfliehen. Sie lassen sich im Frühling 1943 in St Martin Vésubie, das von den Italiener besetzt ist, nieder. Bertold trägt sich im Rathaus ein, um Lebensmittelskarten zu bekommen. Dank des Hilfskomitees für die Flüchtlinge, das aus Nizza Betreuer und Hilfsgüter schickt, organisiert sich die große Flüchtlingsgemeinde schnell. Bertold nimmt an den sportlichen Aktivitäten und an den Festen der Jugendlichen teil. Bertold ist 32 und Familienvater, benimmt sich jedoch in diesem Sommer 1943 wie die jungen Leute, mit denen er verkehrt. Kollaborieren um zu überlebenIm September werden Bertold und seine Familie während eines Fluchtversuchs nach Italien festgenommen. Er wird im Lager von Borgo San Dalmazzo interniert. Er behauptet, er habe dort für die SS als Übersetzer gearbeitet. (siehe /condemned// Without judgement,/ Bert Linder, 1995) Am 21. November wird das Lager von Borgo San Dalmazzo evakuiert und die Internierten werden nach Nizza gebracht, um verhört zu werden. Dann werden sind nach Drancy überstellt. Am 23. November kommt Bertold in Drancy an und übergibt 1100 italienische Lire dem Chef der Lagerpolizei . Dort trifft er Otto Reich, einen ehemaligen jüdischen Fußballspieler aus Wien, der in Drancy mit den Nazis kollaboriert. Am 7. Dezember 1943 fährt der Transport 64 aus Drancy ab und kommt am 12. Dezember in Auschwitz an. Bertold wird als arbeitsfähig ausgewählt und es wird ihm eine Nummer eintätowiert. Gisela und Roland werden gleich nach der Ankunft vergast. Bertold wird schnell Kapo des Kommandos 178 im Block 30 in Monowitz. Er leitet ein Aufräumungskommando, wo er sich besonders brutal zeigt. Sogar sein Bruder wird von ihm verprügelt. Am 12. April 1945 wird er aus Bergen Belsen befreit und nach Belgien repatriiert. ![]() Am 2. Januar heiratet er Johanna Winkler, mit der er bald zwei Kinder bekommt. Am 10. des gleichen Monats beantragt er eine Pension als politischer Gefangener und erklärt, dass er im Jahre 1941 aus Belgien nach Auschwitz deportiert worden wäre. Außerdem erklärt er, der Nationalen Front Österreichs angehört zu haben. Dori Meiselman, Sekretärin der Widerstandsbewegung, bestreitet, dass Bertold Linder jemals ihrer Organisation angehört habe. In einem Dokument aus dem Jahre 1947, das von der Französischen Sicherheitsdirektion stammt, wird Bertold von fünf Überlebenden von Monowitz als „la brute N° 1 du camp“ bezeichnet. 2005 bestätigen zwei andere Überlebende des Transports 64 und von Monowitz diese Erklärung aus dem Jahr 1947. 1949 wird er zu zwei Mal 50000 Francs oder 6 Monaten Gefängnis wegen gesetzlichen Verstößen bei der Devisenbewirtschaftung in Belgien verurteilt. Er verlässt schnell Belgien und lässt sich in Österreich nieder. In Brüssel wird er von einem Möbelhersteller wegen einer unbezahlten Rechnung gesucht. Es ist aber schon zu spät, um das Geld zurückzubekommen. In Salzburg gibt Bertold nur ein Postfach als Adresse an und unternimmt Schritte, um Europa zu verlassen. Er entflieht der gerichtlichen Verfolgung durch die Französischen Sicherheitsdirektion, indem er in Österreich bleibt und dann in die USA emigriert. Dort kommt er dank der finanziellen Hilfe der HIAS im August 1951 an. Zum Fünfzig-Jahr-Jubiläum der Befreiung der Lager im Jahre 1995 veröffentlicht Bert Linder seine Memoiren. Seine „Widerstandsaktionen“, die er nie durchgeführt hat, werden in den USA und in Europa belohnt. Die Forscher von Dorot haben Zeitzeugen wie auch Unterlagen gefunden, die der schmeichelhaften Autobiographie widersprechen. Sie werden die Ergebnisse der Gegenenquete, die Analyse und die während der Forschung durchgeführten Interviews auf dieser Homepage veröffentlichen. |
Bertold LinderFoto Geburtsdatum: 16. August 1911Geburtsort: Brody, PolenAdresse vor 1938: Leystrasse, 1210 WienExilroute: Brüssel - St Cyprien - Salleles d'Aude - Lamalou les Bains - St Martin Vésubie - Borgo San Dalmazzo - Nizza - Drancy
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Als 1938 das Dritte Reich Österreich annektiert, flieht Bertold mit seinem Bruder nach Belgien. Sie kommen am 14. Mai 1938 illegal dort an und melden sich am 14. Mai 1938 bei den Behörden. 