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Anschluss

Annektiert



anschluss Das deutsche Wort „Anschluss“ bezieht sich als Geschichtsbegriff auf die politisch-militärische Eingliederung Österreichs durch Nazi-Deutschland im Jahr 1938 indas Dritte Reich.
Dies war ein klarer Verstoß gegen den Vertrag von Saint-Germain-en-Laye aus dem Jahr 1919, Anschlusselcher der Österreichisch-ungarischen Monarchie ein Ende setzt und im Artikel 88 jeglichen Bund zwischen Österreich und Deutschland verbietet.
Deutschland und Österreich haben eine gemeinsame Sprache, eine gemeinsame Kultur und eine gemeinsame Geschichte. Von daher ist es nicht überraschend, dass die politischen und gesellschaftlichen Bewegungen nach dem ersten Weltkrieg in Deutschland in Österreich eine starke Resonanz finden. Dies gilt auch für die nationalsozialistische Bewegung, umso mehr, als deren Chef Hitler Österreicher war.
Die Nacht vom 11. zum 12. März 1938 prägt auf dramatische Weise die jüdisch-österreichische Geschichte. Die deutschen Truppen marschieren am 12. März in Österreich ein, wo sie von einer jubelnden Bevölkerung begrüßt werden. Am Freitag, dem 11. März, haben die jüdischen Zeitungen noch ihre üblichen Wochenendausgaben veröffentlicht. Am Samstag, dem 12. März, werden alle Büros von jüdischen Zeitungen und anderen jüdischen Verbänden von den Nazis besetzt. In den folgenden Tagen und Monaten werden fast alle österreichischen Juden ihren Lebensunterhalt und in den meisten Fällen auch ihre Wohnung verloren haben. Die antisemitischen Maßnahmen des Dritten Reichs werden sofort eingesetzt.




Gedemütigt


maerz2bUnmittelbar nach dem Anschluss werden die Juden gezwungen, in ihrer Feiertagskleidung unter den spöttischen und zufriedenen Blicken der Wiener hockend die Strasse zu säubern.
Auch von anderen Quälereien werden die Juden gleich nach dem Anschluss getroffen: Die Schauspielerinnen des Theaters in der Josefstadt werden dazu gezwungen, die Toilette der Sturmabteilung (SA)zu putzen. Am besten geht es noch denen, die Autos waschen müssen. Die Mitglieder der Hitler-Jugend ziehen orthodoxe Juden am Bart, andere Juden müssen sich hinlegen und das Gras am Praterstern essen. Eine endlose Liste von Demütigungen und Gewalt. Diese Taten wurden jedoch selten von deutschen Nazis und noch weniger von deutschen Soldaten begangen. Die Täter waren vielmehr eher österreichische Nazis und Nichtnazis, die nun ihren verdrängten Judenhass, vor allem seit dem Verbot der Partei in 1933, frei ausleben konnten.

Die Gewalt beruhigt sich jedoch nach einer Woche und der neue Bürgermeister von Wien erklärt den Journalisten, dass das Ganze nur vorübergehend gewesen sei und dass es eigentlich nur eine gerechtfertigte Reaktion auf die Verfolgung der Nazis gewesen sei. Die wirkliche Verfolgung der Juden fängt hier jedoch erst an.

Unter den 154 politischen Gefangenen, die am 1. April 1938 aus Österreich ins Konzentrationslager Dachau in Bayern geschickt werden, sind 60 Juden. Diese wurden nur unter der ausdrücklichen Bedingung befreit, sofort aus Österreich zu emigrieren.

Eine neue Welle von Festnahmen beginnt im Mai. Dieses Mal zielt sie konkret auf Juden ab, die eine kulturelle oder politische Tätigkeit ausüben. 2000 von ihnen werden nach Dachau deportiert.

Am 13. März 1938 wird von Deutschland offiziell der Anschluss der Republik Österreich erklärt, die zu einer Provinz des Dritten Reichs gemacht wird. Am 10. April wird eine gefälschte Volksabstimmung organisiert, um den Anschluss zu bestätigen: 99% der Bevölkerung stimmen angeblich zu.

Frankreich akzeptiert die Angliederung Österreichs.

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photo J. Kornweitz, Glasergasse,22 Wien

Am 10. Mai entscheidet sich Nathan Otto Kornweitz für das Exil, denn er ist wieder in Gefahr, festgenommen zu werden.
Er verlässt Wien, durchquert das Territorium des Dritten Reichs und geht Richtung Aachen. Er überquert die Grenze in Eupen.
Er meldet sich bei den Behörden in Anderlecht, einer Brüsseler Vorstadt, und beantragt am 25. Mai 1938 politisches Asyl.