“Wenn er ein Jude ist, machen sie mit ihm, was sie wollen."Klaus Barbie zu SS-Leuten, die im Hotel Terminus versuchen, einem vermutlichen Widerstandkämpfer Informationen zu entlocken.
30 Personen werden von Gestapo unter Klaus Barbie festgenommen, der persönlich die Razzia in den Räumen des UGIF überwacht. Die Gestapo verfolgt noch einige Stunden nach der Razzia alle Angestellten des Büros. Insgesamt 86 Personen – fast alle Juden mit falschen Papieren - werden nach diesem Fang nach Drancy deportiert. Laut deutschen Geheiminformation, die zur Razzia geführt haben, hätte das Komitee der Rue Sainte Catherine Juden geholfen, die französisch-schweizerische Grenze illegal zu überqueren. Sie wurden von der amerikanischen Gesellschaft der Quäker (AFSC) und von Juden aus Frankreich und aus Genf finanziert. In den deutschen Berichten über diese Razzia wird angenommen, dass sich unter den „Männern im Schatten des Komitees“ Kardinal Gerlier und Abbé Glasberg befunden hätten. Letzterer war zum Zeitpunkt der Razzia auf der Flucht. Die festgenommenen Männer und Frauen waren in Besitz von Geld, ausländischen Devisen und Diamanten, „die sichergestellt wurden“. Während der Razzia erlitt ein Mann “eine leichte Schussverletzung“. Zuerst werden alle ins Wehrmachtsgefängnis in Châlons-sur-Saône überstellt. Weil aber dieses Gefängnis schon voll ist, werden sie in ein anderes Lager gebracht. Sie werden „in zwei Räumen im Fort Lamothe untergebracht“. Am 12. Februar sind sie nur noch 84 (60 Männer, 24 Frauen, darunter 15 zwischen 15 und 20 Jahren), die mit dem Zug nach Paris gebracht werden. 2 von ihnen ist es gelungen, am gleichen Morgen zu flüchten. Die Gruppe kommt am Bahnhof von Bercy nach mehr als 12 Stunden Zugfahrt an, sie werden ins Lager von Drancy geführt. Aus dem Studium der Dokumente zieht Serge Klarsfeld die Schlussfolgerung, dass die Verantwortung für diese Razzia nur der Gestapo von Lyon oblag, ohne dass irgendeine Weisung darüber ihrem Chef, Klaus Barbie, gegeben worden ist. Man findet übrigens seine Unterschrift auf zwei Berichten vom 11. Februar, über die Razzia.
Wenn Barbie bei seinem Prozess die Echtheit dieser Fernschreiben (die Quelle ist das CDJC) bestreitet, genauso wie er es hinsichtlich der Razzia der Kinder von Izieu tut, widerlegt es Klarsfeld, indem er dieselben Argumente wie Barbie benutzt. Gerade weil diese Dokumente aus dem CDJC stammen, das die Archive der Dienststelle für jüdische Angelegenheiten der Gestapo von Lyon besitzt, kann ihre Echtheit nicht bestritten werden. Außerdem fügt Klarsfeld hinzu, dass keiner von den Nationalsozialisten, die in Deutschland vor Gericht standen, die Echtheit der Dokumente, die als Beweis von dem CDJC geliefert wurden, bestritten habe. Außerdem belastet die Beschreibung der Ereignisse des 9. Februar Barbie unmittelbar: er hätte viel mehr als nur die Razzia überwacht, sondern sehr wohl an der Razzia teilgenommen. Er hätte persönlich Juden vor Ort verhört, die sich zum UGIF begaben. Unter ihnen ist es einem (Michel Kroskof-Thomas), der nach den anderen in den Räumen der Gestapo ankam, gelungen, vorzutäuschen, dass er kein Deutsch spreche und dass er da aus Versehen hingekommen sei. Er sagte, dass er Maler wäre, dass er einen Termin hätte und dass er sich einfach im Büro geirrt hätte. Nach einer einstündigen Unterhaltung mit Barbie vor etwa hundert an diesem Tag festgehaltenen Personen (laut Zeugenaussage von Michel Kroskof), wurde er von Barbie freigelassen, den seine Geschichte und seine falschen Papiere überzeugt hatten. Er konnte dann in die Kaffeehäuser gehen, die die Flüchtlinge besuchten, um die Überwachung der Räume zu organisieren und um zu vermeiden, dass andere Personen in die Falle der Gestapo tappten. Doch den ganzen Tag hindurch wird die Falle der Rue Sainte Catherine 12 mehr als hundert Personen festhalten. Das wird durch verschiedene Zeugenaussagen bestätigt. Diejenigen, denen es gelungen ist, schnell freigelassen zu werden, bemühen sich, die jüdische Gemeinde von Lyon zu warnen. Victor Szulklafer sendet ein verschlüsseltes Telegramm an die israelitische Kultusgemeinde von Nizza, um sie zu informieren. Er sagt: „Herr Shorban (Unglück auf Hebräisch) ist in Lyon angekommen. Warnen Sie die Leute“. Jacqueline Rozenfarb, zum Zeitpunkt der Ereignisse 14 Jahre alt, gelingt es, Klaus Barbie davon zu überzeugen, dass sie nicht Jüdin, sondern Französin ist. Wie alle, die an diesem Tag durch den „Chef“ freigelassen worden sind, verlässt sie die Räume des UGIF ohne ihre Papiere, die sie am Hotel Terminus im Perrache am folgenden Morgen wieder abholen soll. Sie geht zu den Eltern einer anderen jungen Frau, die sich auch in der Rue Sainte Catherine befunden hat. Dort begegnet sie dem Oberrabbiner Kaplan, der von der Nachricht entsetzt ist. Danach ist sie geistesgegenwärtig genug, nicht zum Hotel zu gehen, um ihre Papiere zurückzubekommen. An dem Abend verlässt sie mit ihrer Mutter ihre Wohnung und wird ständig ihre Adresse wechseln. Lea Katz, eine andere Überlebende der Razzia, erklärt, dass sie sich ins UGIF begeben hatte, weil sie am Vorabend bei einer Identitätskontrolle gehört hatte, dass eine Razzia in der Synagoge am Quai Tilsitt am folgenden Samstag stattfinden sollte. Sie ging zum Oberrabbiner, um ihn zu warnen, der aber riet ihr, den Rabbiner zu warnen, der am nächsten Tag Dienst haben würde: Rabbiner Schonberg sollte sich im UGIF befinden und sie begab sich am nächsten Tag dorthin.
Liste der am 9. Februar 1943 festgenommenen Personen
Berthe Akierman Bronia Andermann Israel Bach Simon Badinter Leizer Bleiberg Emmanuel Bloch Isidore Bollack Julius Brender Wolf Brull Chuma Czerwonogora André Deutsch Sigmund Dickmann Noel Domnicz Gisèle Dornheim Emmanuel Edelmann Albert Engel Israel Epelbaum Jacob Esskreis Jacob Ettlinger Salomon Feldhandler Pierre Freidenberg Erna Freund Icek Frydmann Georg Fuchs Osias Fuhrer Walter Fuhrer Régine Gattegno Kalman Gelber Joseph Goldberg Michel Gorodistan Aurélie Gottlieb Heinrich Grad Esther Grinberg Paul (Benno) Guerin (Breslerman) Franz Hirschler Isaac Horowicz Gilberte Jacob Ryfka Jelem Samuel Kohn Salomon Kruman Ruchla Landau Pierre Lanzenberg Anna Lanzet Malvine Lanzet Annie Lederer Hans Lichtenstein Sidonie Lichtenstein Marcelle Loeb Ephraim Loebel Michael Max Gerson Merker Norbert Muntzer Chaim Peretz Jacques Peskind Laja Rappaport Clara Reckendorfer Jean Rein Kurt Reis Alexandre Reznik Feiwel Ring Marcus Rokotnitz Herta Rosenbach Abraham Rosenberg Zeli Rosenfeld Irma Rosenthal Henri Rosencweig Menachem Safran Madeleine Schick Bernard Schneebalg Simha Schkira Joseph Soudakoff Betty Steigmann Armand Steinberg Jules Steinmuller Joseph Sztark Rachmill Szulklaper Benno Taubmann Feiwel Taubmann Sally Taubmann Victor Tlagarz Juliette Weill Hermann Weinstock Maier Weismann Elias Wolf
Entflohene
Aron Luxenburg, am 19.1.1893 in Lodz geboren. Siegfried Driller, am 16.9.1896 in Wien geboren